»Ich bin nicht mehr die Person, die ich mal war.«

In vielen Vereinen und Organisationen gibt es soziales und bürgerschaftliches Engagement rund um die Themen Bildung und Leben mit Kindern. In dieser Reihe werden einige davon vorgestellt. Ein Interview mit Catrin Domke vom Traum(a)Geburt e. V.

Wie ist »Traum(a)Geburt« entstanden und durch wen?

Ich habe 2016 selbst Gewalt während der Geburt meines Sohnes erlebt; von Festhalten durch zwei Personen bis Medikamentengabe ohne medizinische Notwendigkeit gegen meinen Willen. Der positive Verlauf dieser Geburt wurde rein aus Beschleunigungsgründen zu einem interventionsreichen Desaster. Es gab keinen rechtfertigenden Grund, in die Geburt derart einzugreifen. Da ich selbst Ärztin bin, konnte ich das Erlebte medizinisch und auch medizinrechtlich innerhalb der ersten Tage nach der Geburt einordnen, wenngleich auch noch nicht direkt deutlich als »Gewalt« benennen.

Anschließend war ich mit dem Erlebten und den Symptomen des Traumas und der resultierenden Posttraumatischen Belastungsstörung (Albträume, Panik, Unruhe, Flashbacks) komplett alleine gelassen und musste sehr mühsam noch im Wochenbett Hilfe selbst suchen. Auch der Vater meines Sohnes stand dem Ganzen komplett hilflos gegenüber und war selbst traumatisiert. Familie und einige Freunde verstanden die Auswirkungen nicht. Wir stellten schnell fest, dass es zu dem Thema viel zu wenig Wissen und spezialisierte Angebote gibt, die für Frauen wirklich einfach erreichbar sind; sogar Trauma-Beratungsstellen waren nicht ausreichend informiert. Auch die Nachsorgehebamme erkannte nicht ausreichend den Ernst der Lage.

Das Thema »Trauma und Posttraumatische Belastungsstörung nach Gewalt in der Geburtshilfe« existierte quasi offiziell nicht oder wurde als »Babyblues«, der bald vergeht, verharmlost. Schließlich wurden mir Medikamente angeboten anstatt Alltagshilfen und Unterstützung. So scheint es vielen Frauen mit diesen Problemen zu ergehen.

Für Kontakt zu anderen Betroffenen rief ich die Rosenmütter Rhein-Main Selbsthilfe ins Leben; erst vor Ort, mittlerweile online. 2016 wurde dazu parallel zusammen mit einer weiteren Mutter die Idee eines Netzwerk Eva umgesetzt; daraus entstand dann mit anderen Engagierten der Verein Traum(a)Geburt e. V. Er wurde 2019 offiziell gegründet. Schnell wurde uns klar, dass nicht nur Prävention und Ersthilfe ein Thema waren, sondern wir auch eine Austausch-Plattform für klagende Eltern schaffen mussten, wenn es nicht nur um Behandlungsfehler und Folgen für das Kind, sondern um Gewalt und Schäden auch der Mütter geht. Wir haben dazu die Facebook-Gruppe »Rosenmütter – Recht und Klage« gegründet, die stetig wächst. Hier legen wir Wert auf einen geschützten Rahmen, da das Unverständnis öffentlich groß ist. Schon zum Thema Trauma an sich. Wenn man dann noch wagt, gegen die Helfer rechtliche Schritte einzuleiten, ist man einem wahren Spießrutenlauf ausgesetzt.

Wie erklären Sie sich diesen Spießrutenlauf? Also, warum wird so krass auf etwas reagiert, das in einer demokratischen Gesellschaft legitim und gewünscht ist: Bei vermeintlichem Unrecht, die entsprechenden Instanzen anzurufen, die über den Konflikt unparteiisch entscheiden werden?

Es »gehört sich einfach nicht« und passt nicht zu dem vielleicht auch noch unbewusst hartnäckig verankerten Bild der sich aus Liebe aufopfernden Mutter, die ihre neue Aufgabe schon in der Schwangerschaft dankbar annimmt und für das Wohl ihrer Kinder eigene Belange zurücksteckt. Eigene Verletzungen durch die Geburt gehören selbstverständlich als Teil dieser akzeptiert.

Dazu kommt, dass Frauen vorheriger Generationen Gleiches und Schlimmeres erlebt haben, aber aus verschiedenen Gründen nicht in der Lage waren, darauf aufmerksam zu machen, und es teils schlicht auch als normal galt. Selbst in seinem Leid nicht wahrgenommen worden zu sein, schmerzt und kann als psychisch durchaus normale Reaktion zur Ablehnung derjenigen führen, die das jetzt unter vermeintlich einfacheren Bedingungen laut fordern. Es herrscht Unverständnis, dass Frauen nicht dankbar über die doch aktuell viel besseren Lebensumstände sind. Solange das Kind und die Mutter auf den ersten Blick gesund wirken, wird ihnen ein »Luxusproblem« vorgeworfen. Mütter, die ihre Bedürfnisse aufzeigen und deren Berücksichtigung deutlich fordern, werden oft mit Misstrauen gesehen.

Traumatisierte Frauen brauchen Schutz, Hilfen und Unterstützung.

Der vielleicht wesentlichste Punkt: Es wird nicht als Unrecht oder Rechtsbruch angesehen, sondern als persönlich falsche Empfindung und verzerrte Wahrnehmung der Frau in einer Ausnahmesituation. Es fehlt Allgemeinwissen und das Bewusstsein dafür, welche Rechte man selbst im Rahmen einer medizinischen Behandlung geltend machen darf.

Kritik an der Arbeit der »Helfenden«, des Fachpersonales, die es doch fachlich und situativ besser wissen, ist moralisch nicht zulässig. Es wird automatisch Undankbarkeit angenommen. Es ist unverständlich, dass das doch in Deutschland sehr gute Versorgungssystem mit seinem hohen medizinischen Standard »angegriffen« wird. Dazu kommt sicher auch die immer noch weit verbreitete Vorstellung von Geburt. Frauen wird vermittelt, sie seien in einem Zustand, wo sie bereits ab Wehenbeginn Dinge nicht mehr klar beurteilen und vernünftig für sich einstehen können. Das Bild, dass Frauen nicht aus eigener Kraft gebären können und medizinisch interventionell geholfen werden muss (weil Geburt so gefährlich ist), ist noch in vielen Köpfen verankert. Es wird allgemein angenommen, dass sich achtsam und selbstverständlich unter Wahrung der Patientenrechte um die Gebärende gekümmert wird. Akzeptieren zu müssen, dass es anders sein kann, als unser Wertekodex es vorgibt, ist schwierig. Das eigene Weltbild und Sicherheitsgefühl werden bei vielen durch die Schilderungen der Mütter erschüttert.

Ebenso darf man nach herrschender Meinung sensiblen Schwangeren keine Angst machen, deshalb sollen Übergriffe auch nicht sachlich thematisiert werden.

Was ist der Zweck/Ziel des Vereins?

Unsere Hauptthemen sind Prävention zur aktiven Vermeidung von traumatisierenden Erfahrungen rund um die Geburt und niedrigschwellige Ersthilfe nach traumatischer Geburt.

Diese Bereiche haben wir traumasensibel voneinander getrennt, da beides gleich wichtig ist. Es soll aber einerseits Schwangeren keine Angst vor der Geburt durch negative Erfahrungen gemacht werden, andererseits dürfen traumatisierte Frauen nicht unvermittelt auf Webseiten über Geburtsvorbereitung gelangen – auch das kann belastende Erinnerungen hervorrufen. Traumasensibles Arbeiten ist uns extrem wichtig.

Das Thema Gewalt, wie eher üblich, aber nur hinter vorgehaltener Hand zu besprechen oder Schwangere davon komplett fernzuhalten, ist in unseren Augen nicht richtig und schützt nicht. Wir geben daher ganz neutral Informationen, wie man sie überall in anderen Lebensbereichen auch erwartet, wenn man Vor- und Nachteile einer Sache abwägt. Bei einer Zahl von ca. 30 bis 60 % Betroffener (die Dunkelziffer dürfte höher sein), die angeben, Gewalterfahrungen (psychisch und/oder physisch) in der Geburtshilfe gemacht zu haben, sollte man das Thema nicht aus falsch verstandener Rücksicht von Schwangeren fernhalten oder schönreden. Wesentlich hierbei ist aber, sie damit und mit möglichen Ängsten dadurch nicht alleine zu lassen und Wege aufzuzeigen.

Sehr viele Frauen erleben eine ausgesprochen negative Überraschung, wenn die Versprechungen von Kreißsaal-Besichtigungsabenden und die gute vorgeburtliche Betreuung während der Geburt bei Überlastung des Teams plötzlich nicht mehr existieren und über sie als mündige Person hinweg agiert wird. In keinem anderen Kontext ist dies in unserer Zeit noch so derart akzeptiert wie im Rahmen der Geburt.

Wir wollen daher präventiv Frauen umfassend aufklären zur aktuell schwierigen Situation in der Geburtshilfe und zum Tabu-Thema Gewalt in diesem Bereich. Hierfür bündeln wir bereits existierende Angebote und stellen Informationen zusammen, die so offen und deutlich nicht in den üblichen Vorbereitungskursen oder gar auf Klinikabenden thematisiert werden.

Wichtig sind uns die Schwerpunkte »Was macht eine gute, selbstbestimmte Geburt aus?«, »Wie schütze ich mich vor unnötigen medizinischen Interventionen (und die gibt es) und Gewalt in allen Bereichen der Geburtshilfe – von Schwangerschaft bis Wochenbett?«. »Wie sind Abläufe in einer Klinik und welche Zusammenhänge gibt es bzgl. Wirtschaftlichkeit und Gewinn-Anspruch? Wie wirkt sich das direkt auf die Geburt und ihren Ablauf aus?«, »Wie gehe ich mit einer im Vorfeld bekannten psychischen Erkrankung, einer ersten gewaltvollen Geburtserfahrung oder Gewalterfahrungen aus anderen Bereichen um, die mich geprägt haben und Ängste vor der Geburt erzeugen?«, »Welche Vorbereitung auf die Geburt ist sinnvoll?«, »Was sollte unabhängig von der Vorbereitung der eigentlichen Geburt geregelt sein?«

Das ist das Vorgeburtliche und wichtig. Welche Möglichkeiten haben Sie, Frauen nach einer traumatischen Geburt »aufzufangen«?

Im Rahmen einer Nachsorge bieten wir Begleitung, Informationen und Tipps aus Betroffenen-Sicht.

Hierbei stehen die Themen peripartale psychische Erkrankungen (Schwerpunkt Trauma), Rechtswege bei Gewalt und damit in Zusammenhang stehende Behandlungsfehler sowie sehr niedrigschwellige alltagstaugliche Ersthilfe im Fokus.

»War das alles richtig, fühle ich richtig?«, »Wie gehe ich mit Symptomen um?«, »Wo finde ich Unterstützung?«, »Welche Hilfe brauchen wir?«, »Kann ich rechtliche Schritte gehen?«, »Was kann meine Familie tun?«

Traumatisierte Frauen und damit auch sehr oft Familien benötigen einen Kokon aus Schutz, handfesten Hilfen und Unterstützung. Es besteht sehr oft eine traumatisch bedingte Handlungsunfähigkeit, Alltägliches und Notwendiges zu organisieren. Es tauchen oft spezielle Probleme bei Schritten zur Hilfe auf, die vorher gar nicht bewusst waren. Beispielhaft hat eine Frau zwar Anspruch auf eine Haushaltshilfe, scheitert jedoch für das dafür notwendige Attest oft schon an der Hürde des Arztbesuches aus Angst. Hier muss direkt geholfen und ein akzeptabler Weg gefunden werden, z. B. Vorbereitung, Sensibilisierung des Praxisteams und Begleitung durch eine vertraute Person. Sicherheit schaffen in allen Bereichen ist für betroffene Familien ganz wesentlich. Ebenso Verständnis bei Verwandten und Freunden erreichen, dass in dieser Familie nicht das pure Babyglück existiert.

Sie begleiten also traumatisierte Frauen durch die vom Gesundheitswesen angebotenen Therapieangebote?

Therapieangebote sind rar, es gibt lange Wartelisten für ambulante Therapieplätze. Schneller verfügbare Angebote gibt es oft nur für Selbstzahler – in einer finanziell schwierigen Lage, in der möglicherweise parallel ein oder sogar beide Elternteile nicht arbeiten können. Auch den Weg zu einer Selbsthilfegruppe, welche in Klinikräumen stattfindet, wird eine durch Klinikpersonal traumatisierte Frau kaum mit sicherem Gefühl gehen können und von ihr dann profitieren. Ähnliches gilt für Einrichtungen wie Tageskliniken. Trauma stellt in punkto Sicherheitsgefühl andere Anforderungen, als sie z. B. Mütter mit Wochenbett-Depressionen haben. So können viele Personen, enge Räume, medizinische Ausrüstung oder stundenweise Trennung vom Kind schon ein großes Problem für traumatisierte Mütter bedeuten.

Alles, was an die traumatische Situation erinnert, wird schnell, teils sogar unbewusst, vermieden.

Dazu kommen oft neue Ängste, die vorher nicht da waren und am Anfang gar nicht dem Geburtstrauma zugeordnet werden; Angst vor Enge, Dunkelheit, Menschenmengen.

Für traumatisierte Frauen und Familien sind sehr viele Türen zumindest ganz am Anfang verschlossen – wir möchten darauf aufmerksam machen und individuelle Lösungswege erarbeiten, wo manchmal nur eine sensibilisierte Begleitung und ausreichende Beachtung von Triggern fehlt. Ein Trigger kann ein Geruch oder Geräusch, ein Gegenstand oder eine Person sein, die an das Trauma erinnern und sehr negative Gefühle dazu hervorrufen (z. B. geschlossene Türen, grelles Licht, Desinfektionsmittelspender, Instrumente beim Arzt nach traumatischem Kaiserschnitt). In vielen Fällen reicht schon ein offenes Ohr, Verständnis und die Aussage, dass das Erleben völlig normal ist. Die Paare sind oft extrem verunsichert, da ihre Erfahrung so gar nicht zu dem Bild passt, welches sie zu Geburt, Wochenbett und glücklichen Eltern vermittelt bekommen haben.

Nicht zuletzt möchten wir erreichen, dass das Thema Gewalt und resultierende Körperverletzungen an Mutter und Kind rechtlich wahrgenommen wird und Frauen ihre Rechte gewahrt werden. Straftaten im Kontext einer medizinischen Behandlung müssen als solche endlich öffentlich anerkannt, benannt und eingeordnet werden und damit auch juristisch belangbar sein. Aktuell sind die Frauen massivem Unverständnis und Anfeindungen ausgesetzt, wenn sie versuchen, dagegen juristisch unterstützt vorzugehen. Sehr oft sind nicht die finanziellen Mittel da, um diesen Weg zu gehen, auch daran darf es nach unserer Meinung nicht scheitern.

Wir arbeiten langfristig an einem Spendenfond, um Frauen zumindest eine orientierende juristische Erstberatung ermöglichen zu können.

Wie erreichen Sie Ihr Ziel?

Dadurch, dass gerade im Wochenbett und mit kleinen Kindern Hilfe lokal schlecht nach Terminen zu organisieren ist, versuchen wir Familien telefonisch und online über verschiedene Wege zu erreichen. Nach und nach sollen über Kooperationen auch vor Ort Helfer als Kontakt genannt werden können. Hier würden wir gerne bereits bestehende ehrenamtliche Helferstrukturen lokal mehr einbinden.

Catrin Domke vom Traum(a)Geburt e. V.

Wir organisieren Austauschgruppen und bieten Online-Selbsthilfe an, unter anderem die von Mitgliedern geführten Facebook-Gruppen Rosenmütter – Recht und Klage und Storchenschnabel zur Selbsthilfe. Wir möchten Betroffene und auch Unterstützer aus Medizin und Rechtswissenschaft sowie anderen Bereichen vernetzen.

Wir bieten eine individuelle Beratung an und versuchen gemeinsam, einen Weg zu entwickeln.

Für die Zeit vor der Geburt arbeiten wir unter anderem an einem Vorsorge-Paket, in welchem Themen wie Geburtsvorbereitung, aber auch Versicherungen und Verfügungen angesprochen werden. Wir möchten das Risiko einer traumatischen Erfahrung für jede Frau gerne, so gut es geht, reduzieren. Kommt es jedoch trotz aller Vorbereitung dazu – das kann einfach auch durch einen Geburtsvorgang an sich verursacht sein, z. B. einen unerwünschten, aber notwendigen Kaiserschnitt –, dann ist es vorteilhaft, wenn man in der Ausnahmesituation alle Dokumente und Absicherungen direkt zur Hand hat. Auch ein »Notgroschen« ist hier sinnvoll. Adressen für Hilfen müssen nicht aufwendig erst zusammengesucht werden, sondern sind im Idealfall bereits im persönlichen Ordner abgeheftet. Basierend darauf kann dann jede Frau die eigentliche Geburtsvorbereitung nach individuellen Wünschen z. B. mit Kursen gestalten – aber in einem sicheren Gefühl, dass Wesentliches und Themen, mit denen man sich vielleicht lieber nicht auseinandersetzen möchte, ganz am Anfang der Schwangerschaft geregelt sind. Wir empfehlen auch, Traumata – vor allem aus vorherigen Geburten unbedingt aufzuarbeiten.

Nach einer traumatischen Erfahrung bieten wir je nach Dringlichkeit zeitnah einen persönlichen telefonischen Kontakt an oder den Austausch per E-Mail. Hier klären wir die Akutsituation und schauen mit der Betroffenen, was gerade ihr Anliegen ist: ein offenes Ohr, Informationen zu verschiedenen Themen oder der Wunsch nach Unterstützung, beispielsweise bei der Therapeuten-Suche.

Wir bieten für den juristischen Weg Hilfestellung an bei der Beschaffung der Krankenakte oder generell Vorbereitung von rechtlichen Schritten. In unserem Team sind unter anderem Mediziner und Hebammen, die bei der Erläuterung von Fachbegriffen oder dokumentierten Abläufen helfen, da dies für Laien oft sehr schwierig nachzuvollziehen ist und Klinikgespräche da frisch traumatisiert nicht unbedingt sinnvoll sind. Anwälte, die für das Thema sensibilisiert sind, können basierend auf eigenen Erfahrungen empfohlen werden. Da das Gebiet noch recht neu ist, sind Erfahrungen von Betroffenen und der Austausch hierzu in einem geschützten Rahmen sehr wichtig. Dies ermöglichen wir über unsere Gruppen und demnächst Foren.

Was haben Sie bis jetzt erreichen können? Gibt es Meilensteine?

Wir haben durch viele Einzelgespräche traumatisierte Frauen auffangen und mit ihnen gemeinsam sichten können, welche Schritte notwendig sein könnten und wie die Voraussetzungen lokal vor Ort sind. Hier waren auch die Stabilisierung und ein offenes Gespräch zu Abläufen der Geburt, Empfindungen und auch suizidalen Gedanken wichtig. Oft ist es das erste Mal, dass Frauen sich trauen, alles zu erzählen, Gefühle zu zeigen und ihre quälenden Zweifel zu benennen, ob das alles so hätte sein müssen. Wir beenden das Gespräch immer mit einer Vereinbarung der nächsten Schritte und in einem positiven Gefühl. Wenn ein Therapieplatz nicht direkt zu bekommen ist, kann man mit einfachen Übungen auch zu Hause eine erste Verbesserung erreichen. Viele von uns können aus eigener Erfahrung Tipps dazu geben, was helfen kann, aus der eigenen Hilflosigkeit in aktive Bewältigung zu kommen.

In der Akuthilfe konnten wir mit viel persönlichem Einsatz und Hilfe eines Rechtsbeistandes bereits unnötige Geburtseinleitungen und sogar Kaiserschnitte verhindern. Parallel in diesem Kontext verhinderten wir auch direkt Gewalt an Schwangeren, wenn die Gefahr oder bereits eine handfeste Verletzung von Menschen- und Patientenrechten gegeben war. Derartige Hilferufe erreichen uns z. B. über Müttergruppen oder direkte Anfragen. Es handelt sich hier um Notfälle, da nur ein kleines Zeitfenster gegeben ist, wenn zum Beispiel ohne ausreichende medizinische Indikation oder gegen das Bauchgefühl/den Wunsch der Schwangeren eingeleitet werden soll und entsprechend Druck ausgeübt wird.

Auch Frauen, die in Konflikte geraten mit medizinischer oder offizieller Seite (Jugendamt/Arztpraxen/Klinik), weil sie z. B. eine Hausgeburt durchführen oder sich gegen eine Standardvorsorge entscheiden, melden sich selbst oder für sie stellvertretend eine Hilfsperson/betreuende Hebamme bei uns. Hier hilft manchmal die Einbeziehung eines Vereins und eines Juristen, um diskussionswürdige Handlungen Einzelner sachlich zu hinterfragen und eine weitere direkte Kommunikation und Gespräche zu erreichen. Wir versuchen, dies als neutrale Stelle mit Deeskalation und Verständnis für beide Seiten zu erreichen, da sehr oft Vorurteile, fehlendes Wissen und schlechte Kommunikation eine Rolle spielen. Auch standardisierte Abläufe und starre Vorgaben können individuelle Beurteilungen erschweren. Einiges kann hier bereits mit einfachen Mitteln gelöst werden.

Präventiv haben wir mit unserer stetigen Aufklärung und Information zu Geburtsabläufen, Abrechnungsmodalitäten und Interventionen Frauen, die sich bis dato eigentlich für sehr gut vorbereitet hielten, aufhorchen lassen. Sie haben einiges nochmals kritischer hinterfragt und ihr Konzept nochmals überarbeitet.

So wurde doch noch kurzfristig eine Geburtsbegleitung (z. B. Doula) organisiert oder ein Geburtsplan geschrieben. All dies senkt das Risiko für Gewalt.

Wir konnten uns über einige positive Rückmeldungen zu Geburtsverläufen freuen.

Im Jahr 2019 übernahmen wir die Patenschaft für die Veröffentlichung der Erfahrungsberichte der Roses Revolution Deutschland .

Immer mehr Frauen, aber auch Väter und Fach-Personal trauen sich, ihre Berichte anonym oder personalisiert zu veröffentlichen. In Bezug auf ein öffentliches Bewusstsein war es uns sehr wichtig, dass diese gesammelt zu finden sind.

Ganz kurz: Was sind Roses Revolution Deutschland und die angesprochenen Erfahrungsberichte?

Die Roses Revolution ist eine globale Bewegung gegen Gewalt in der Geburtshilfe und hat ihren Aktionstag am 25. November. An diesem Tag legen betroffene Frauen und Familien rosa Rosen und einen Brief für die Geburtshelfer an den Orten ab, an welchen ihnen Gewalt widerfahren ist: vor dem Kreißsaal oder am Klinikeingang, vor Praxen oder medizinischen Versorgungszentren – auch zuhause, wenn es während einer Hausgeburt dazu kam. Sie schicken ein Foto an die Seite von Roses Revolution Deutschland , die Bilder und Berichte veröffentlicht.

Im nächsten unerzogen Magazin sprechen wir über die Schwierigkeiten bei dieser Arbeit, aktuelle Probleme und über die Wünsche betroffener Familien. sr

Traum(a)Geburt e. V.

Gründung: 24.06.2019

Sitz: Schillerstrasse 19 a 63322 Rödermark

Aktionsraum: Deutschland

Kontakt: info@traumageburtev.de

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