Das Corona-Lernabenteuer

An der Regelschule sieht Unterricht in Corona-Zeiten so aus: Der Lehrer vergibt Aufgaben, die Schüler müssen sie erledigen. An einer Freien Alternativschule, in der alles auf Basis von Selbstmotivation und Freiheit funktioniert, steht das gegen das Konzept. Wie funktioniert Corona-Schule hier? Ein Beispiel.

Tabea Zorn

In Steinhorst, einem kleinen Dorf in der Nähe von Lübeck, scheint die Sonne. Im Dorfzentrum stößt man auf eine blau-weiße Altbauvilla. Normalerweise hört man bei diesem Wetter von Weitem Kinder kreischen und spielen: Die Freie Demokratische Schule Infinita ist hier zu Hause. Doch seit den Osterferien ist hier alles stiller. Gelernt wird fast nur online.

Für die Schülerin Stine sieht der Schulalltag seitdem so aus: Meistens beginnt sie morgens um 9 Uhr mit ein bis drei Stunden Online-Kursangeboten mit Pausen. Sie bereitet sich auf ihren ersten Schulabschluss vor, und ihr Stundenplan ist von der Prüfungsvorbereitung bestimmt. »Manchmal gehe ich noch zu anderen Kursen, aber meistens habe ich nach den zwei Stunden vor dem Computer keine Lust mehr, weil es schon immer anstrengend ist, davor zu sitzen«, erzählt sie. Außerdem hat sie jede Woche ihre persönliche Mentorenzeit, leitet die Schulversammlung per Videokonferenz und bearbeitet die Wochenchallenge – eine Challenge, in der jeder Teilnehmer zu einem vorgegebenen Thema wie »Hobbys« oder der Frage »Corona – was bedeutet das für dich?« ein eigenes Projekt startet. Stines »Lieblings-Challenge« war bisher das Thema Freundschaft. »Für mich spielt es eine große Rolle in der Schule, Freundschaften zu pflegen.« Ihr Beitrag war ein Bild, auf dem sie mit ihren zwei besten Freundinnen zu sehen ist.

Der Lern-Dschungel

Den Schulalltag von null auf hundert umzustellen, war eine große Aufgabe für Sebastian Deichmann und das Team rund um die Infinita: »Es war viel zu tun, aber nicht stressig. Es war eher ein spannendes Lernabenteuer«, sagt Deichmann, der Schulleiter ist. Jeder, der wollte, konnte sich online treffen und darüber abstimmen, wie genau das Online-Angebot aussehen soll. Das Resultat zeigt Deichmann stolz per Computer: »Infinita Online – Betritt den Dschungel«, prangt dort in großen Lettern. Wenn man darauf klickt, erscheint ein kleines Dschungel-Dorf. Man entdeckt ein Lagerfeuer in der Mitte, verschiedene Tipis außenherum bis hin zu verschiedenen großen Tempeln im Hintergrund.

Deichmann hatte mit dem Team nach einer Möglichkeit gesucht, verschiedene Stationen aus dem Schulalltag in ein Bild einzubetten. »Durch das Bild haben wir kein Chaos«, erzählt Deichmann, und es ist logisch: Eigentlich versteckt sich hinter dem Dschungel eine Ansammlung an verschiedenen Dokumenten, Links zu Videokonferenzen und weiteren Online-Unterrichts-Tools.

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