Erziehung ist auch im Dilemma keine Lösung!

Ein Kommentar von Aida S. de Rodriguez

Diskriminierung existiert auf vielfältige Art und Weise. Adultismus und Speziesismus gehören dazu. Darin steckt ein Dilemma. Auf Erziehung zu verzichten, bedeutet seine Verantwortung wahrhaftig wahrzunehmen. Die Frage aber ist, wie nehme ich diese Verantwortung wahr, wenn es besonders kompliziert wird? Stecken wir in einem ethischen Dilemma fest oder limitieren anerzogene Glaubenssätze unser Denken und Handeln?

Wir können Diskriminierung nicht selektiv verurteilen. ›Adultismus ist schlecht, aber Speziesismus ist in Ordnung?‹ Verantwortungsvolles Handeln bedingt, dass wir nichts tun, von dem wir schon vorher wissen, dass es definitiv negative Auswirkungen hat. Tiere haben ein Recht auf Unversehrtheit und Leben. Ein Leben frei von vermeidbarem Leid. Kinder haben das Recht auf ein gewaltfreies Aufwachsen. Auf die Achtung ihrer Würde und die Akzeptanz der Bedürfnisse nach Selbstbestimmung und Zugehörigkeit. Kinder sollen keine vermeidbare Ausgrenzung erleben oder sich aufgrund unserer Einmischung nicht ihrer Zugehörigkeit beraubt fühlen. Manchmal meinen wir, unserer Verantwortung nicht gerecht werden zu können und stecken im Dilemma fest. Häufiger aber benutzen wir altbewährte Phrasen, um uns vor unserer Verantwortung zu drücken.

Verantwortung potenziert sich mit Freiheit, Macht und Wissen. Erwachsenen sind frei in ihren Entscheidungen. Wir können wählen, wie wir auf die alltäglichen Herausforderungen reagieren. Unsere Kinder sind von uns in jegliche Hinsicht abhängig und befinden sich in einer nicht zu leugnenden Machtasymmetrie zu uns. Reife und Lebenserfahrung gehen häufig mit Wissen einher, das uns einen zusätzlichen Vorteil verspricht. Unsere privilegierte Stellung geht mit der Verpflichtung einher, dafür zu sorgen, dass möglichst kein Schaden entsteht. Zugleich haben wir Normen und Werte internalisiert und tragen uns selbst gegenüber Verantwortung. Um uns selbst ernst nehmen zu können, müssen wir unseren eigenen Werten gegenüber integer sein.

Im Alltag mit jungen Menschen, insbesondere mit kleinen Kindern, ergeben sich unzählige, scheinbare Dilemmata. Mehrheitlich jedoch nur aufgrund erzieherischer Glaubenssätze. Der Konsum von Tieren oder auf Tieren basierenden Derivate ist nicht nur ethisch verwerflich, sondern nach heutigen Erkenntnissen auch gesundheitsschädlich. Vom gelegentlichen Essen von »zu Wurst verarbeiteten Tier« wird allerdings kein Kind unmittelbar sterben. Über Verantwortung müssen wir folgendes verstehen: Wir können in einer akuten Gefährdung schützende Gewalt anwenden und im Einklang mit unseren Werten sein, aber nicht, wenn wir diese als angebliche Präventionsmaßnahme missbrauchen.

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