Das Baby besser verstehen

Kommunikation beginnt schon lange vor dem ersten Wort. Erwachsene setzen Kommunikation häufig mit Lautsprache gleich, dabei spielen Körpersprache, Mimik und Gestik oft eine viel größere Rolle. Schon Neugeborene drücken sich mit ihrem ganzen Körper und ganz spezifischen Lauten aus. Wer sie kennt, kann rasch und sicher reagieren. Auch über bewusst eingesetzte Handgesten können Familien ihre Babys leichter verstehen und sie von klein auf aktiver am Alltagsleben teilhaben lassen. Ein Praxiseinblick in die Babysprache.

Vivian König

Universelle Laute für Babys Grundbedürfnisse

Sobald ein neuer Mensch das Licht der Welt erblickt, fängt er an, mit seiner Umwelt zu kommunizieren – auf seine ganz eigene Weise. Unsere meist ungeübten Eltern-Ohren hören zu Beginn natürlich oft nur ein Weinen oder Schreien in unterschiedlichen Tonlagen und Dringlichkeiten. »Weinen ist Kommunikation«, versuchen wir uns klarzumachen und trotz des ansteigenden Stresspegels innerlich mit Ruhe anzunehmen. Wir üben uns darin, mit dem Blick auf die Uhr Babys wichtigste Grundbedürfnisse erkennen und unterscheiden zu lernen. Häufig ist diese Kennlernphase jedoch von unsicherem Rätselraten, Herumprobieren und einigen für beide Seiten frustrierenden Missverständnissen geprägt. Hat das Baby schon wieder Hunger oder ist es doch eher müde? Oder ist es Bauchweh? Eine volle Windel? „Ach könnte mein Baby mir doch genauer mitteilen, was es möchte“ – dieses Gefühl kennen viele frischgebackene Eltern. Wir wünschen uns nur allzu oft eine leicht verständliche Gebrauchsanweisung fürs Kind.

Mit der Zeit spielt sich das Interpretieren der kindlichen Signale natürlich ein. Dieses Kennenlernen braucht Zeit und bewusste Beobachtung. Wir lernen, dass geballte Fäustchen Stress signalisieren und geöffnete Händchen Entspannung, wir schauen auf seine Körperspannung, sein Blickverhalten, seine Beinchen, Mundbewegungen usw., um Babys Befinden zu erkunden. All diese Feinzeichen sind Teil seiner Körpersprache und spielen eine Rolle. Viel leichter, rascher und treffsicherer zu interpretieren sind jedoch seine Lautäußerungen.

Die Übersetzungshilfe für akustische Frühwarnsignale

Das Entschlüsseln, was dein Baby sagt und braucht geht viel rascher, wenn du die konkreten Laute seiner angeborenen Babysprache kennst und gut hinhörst. Diese sogenannte Dunstan Babysprache – benannt nach ihrer Entdeckerin, der Australierin Priscilla Dunstan – spricht dein Neugeborenes ab dem Tag seiner Geburt. Tatsächlich nutzen alle Babys auf der ganzen Welt unabhängig von Muttersprache, Nationalität oder Kulturkreis fünf einheitliche Laute für ihre dringlichsten Grundbedürfnisse. Sie signalisieren uns damit durch unterschiedliche Töne, ob sie hungrig sind oder müde, Bäuerchen machen müssen, Bauchweh haben oder sich unwohl fühlen z. B. aufgrund einer vollen Windel oder Reizüberflutung. Da diese Laute auf angeborenen Körperreflexen beruhen, sind sie bei jedem Baby gleich und können von Eltern und Großeltern ganz easy erlernt werden. Mit fünf neuen Vokabeln in Babysprache werden aus unsicheren, manchmal verzweifelten und gestressten Eltern zugewandte, achtsame und selbstsichere Baby-Versteher:innen. Wie geht das?

Zuerst einmal liegt der Schlüssel im Erkennen der Bedürfnislaute in der Vor-Schrei-Phase, also bevor das Baby ins heftigere Weinen und Schreien eskaliert. Seine angeborenen Reflexe als Überlebensmechanismus bringen bei aufkeimenden Bedürfnissen das Baby dazu, sich mit einem bestimmten Laut zu melden. Sinkt z. B. der Blutzuckerspiegel ab und ein Säugling wird hungrig, so setzt automatisch sein Saugreflex ein. Dabei drückt es seine Zunge am Gaumen entlang. In Verbindung mit einem Ton dazu entsteht der eindeutige Hungerlaut.

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