Urformen der Kommunikation im Pränatalen Seelenraum des Ungeborenen (Teil 2)

Diese Trilogie beschreibt verschiedenen Formen der Schwangerschaftsbegleitung, die das Baby und die Dimension des Ungeborenen in den Mittelpunkt stellen. In diesem Teil werden die Bindungsanalyse und ihre Möglichkeiten in den Fokus genommen.

Maya Kerpensian

Natürlich ist diese Form der Schwangerschaftsbegleitung ohne die fühlende, wachsende Feinsinnigkeit der Mutter (und des Vaters) nicht möglich. Die Urformen der Kommunikation im pränatalen Seelenraum des Ungeborenen widmen sich der weitestgehend unbeachteten Dimension des Babys, wenn es noch im Mutterleib ist. Sie zielen darauf ab, die wortlose Einsamkeit des Ungeborenen zu beenden. Und sich richten sich vor allem darauf, transgenerationale Themen, Ungesagtes, Ängste und unbewusste Themen nicht ungefiltert auf die nächste Generation weiterzugeben. Sie tragen das Potential transgenerationale Traumen aufzulösen und zu heilen in sich.

Dafür bedarf es eine kontinuierliche Hingabe während der ganzen Schwangerschaft. Wenn ich von Paaren, Müttern und Vätern spreche, beziehe ich mich in erster Linie darauf, was wir im herkömmlichen Sinne unter Eltern verstehen. Ich habe viele gleichgeschlechtliche Paare und auch schon Eltern mit Leihmutterschaft oder Eizell- und Samenspenden begleitet und hoffe, dass niemand verletzt ist, wenn ich der sprachlichen Klarheit zuliebe von Müttern und Vätern spreche.

Jede werdende Mutter und jeder werdende Vater können den Kontakt zum Baby intensivieren. Dies ist vor, während und nach der Schwangerschaft möglich.

Dieser zweite Teil der Trilogie über Urformen der Kommunikation befasst sich mit der faszinierenden Welt der Bindungsanalyse. Die Mutter-Kind-Bindungsanalyse ermöglicht einen einzigartig differenzierten Einblick in den Erlebensraum des Ungeborenen. Den dritten und letzten Teil wird die aquatische Begleitung von Schwangeren beleuchten, der in besonderem Maße die Erlebenswirklichkeit des Babys im Fruchtwasser in den Blick nimmt.

Die Bindungsanalyse: Im Dialog mit dem Ungeborenen

Dieser Einführung in das Reich der intrauterinen Kommunikation möchte ich ein schönes Zitat voranstellen, das davon berichtet, dass Frauen seit Menschengedenken mit ihren Babys »kommunizieren«.

»Seit Jahrtausenden sprechen Mütter mit ihren noch ungeborenen Kindern. War eine Mutter in ‚guter Zwiesprache‘ mit ihrem Kind, so wurde das als ein gutes Zeichen gewertet. Ja, es war sogar die Voraussetzung für eine gesunde Schwangerschaft. Da es bis vor kurzem noch keine Möglichkeiten gab, das Leben des Kindes im Mutterleib zu sehen, war es nur die Mutter allein, der ein direkter Zugang zu ihrem Baby möglich war. Das heranwachsende Kind im Mutterleib war ein Mysterium. Der Körper der schwangeren Frau, der dieses Wunder beherbergt, wurde bewundert, geachtet und mit Ehrfurcht behandelt. Aus ihrem Vermögen, Leben zu spenden, erwuchs der Frau Macht und Ansehen. Sie war eine Vertreterin der ‚großen Mutter‘ die alles Leben schenkt.« (Aus: Maria Theresia de Jong: Im Dialog mit dem Ungeborenen)

Der Bindungsanalyse widme ich mich in meinem Praxisalltag als Prä- und Perinatalpsychologin mit großer Leidenschaft und Hingabe. In der Begleitung mit meinen Klientinnen erlebe ich täglich das Wunder der Pränatalen Kommunikation. Und das größte Wunder liegt in dem, was wir mit dem Verstand nicht fassen, aber im Herzen fühlen. Und im Falle des größten Wunders, nämlich dem Leben und dem Tod selbst, lebt dieses Intimste aller Wesen, in uns. Untrennbar verbunden und dabei doch von Anfang an, ein eigenständiges Selbst.

In meinem Praxis-Alltag bewege ich mich in den transgenerationalen Sphären der Gebärmutter und des Babys. Ich helfe jedem Baby, jeder Mutter, jedem Paar, was sich an mich wendet, damit diese einzigartige Form der Kommunikation, die ich als unsere Urform bezeichne, sich entwickeln, differenzieren und ins Grenzenlose ausweiten kann.

Das ist für mich Kommunikation im eigentlichen Sinne. Communi-Care heißt: teilen, gemeinsam machen. Ich würde noch weiter gehen: Gemeinsam in bedingungslosem Vertrauen sein!

Ursprung und Entstehungsgeschichte

Die Bindungsanalyse nach dem Psychotherapeuten Jenö Hidas und dem Psychiater György Raffai ist ein bahnbrechender Ansatz für die intrauterine Kommunikation mit dem Ungeborenen. Das Konzept der Bindung stammt ursprünglich aus dem Ansatz der Psychoanalyse, daher auch die Wortneuschöpfung: Bindungsanalyse. Bindung bezeichnet die frühe und enge Mutter-Kind-Beziehung unter Berücksichtigung der emotionalen Bedürfnisse des Kindes. Hidas und Raffai gewannen ihre Erkenntnisse während ihrer Arbeit in einer Klinik mit jugendlichen Schizophrenen. Aus ihren Erkenntnissen und Erfahrungen entwickelten sie die Bindungsanalyse mit dem Grundgedanken einer echten Prävention, im Sinne einer »Garantie« für seelische Gesundheit.

Die ursprüngliche Bindungstheorie (nach John Bowlby u. a.) geht davon aus, dass sich das individuelle Bindungsverhalten eines Neugeborenen durch Anpassung an die mehr oder weniger zur Verfügung stehenden Bindungspersonen entwickelt.

Die Bindungsanalyse geht weit darüber hinaus. Sie zeigt, und aktuelle Forschungsergebnisse bestätigen dies, dass Babys schon im Mutterleib positive Erfahrungen machen, wenn sie sich durch feinfühlige Mütter wahrgenommen und wertgeschätzt fühlen. Im Kontrast zur herkömmlichen Bindungstheorie (attachment theory) geht die Bindungsanalyse also davon aus, dass enge und intensive Bindung bereits in der Schwangerschaft möglich und wünschenswert ist.

Die Bindungsanalyse unterstützt die Mutter darin, ihre Feinfühligkeit schon während der Schwangerschaft zu entwickeln, sodass ihr diese im Umgang mit dem Neugeborenen schon vertraut ist und ihr zur Verfügung steht. Dies macht zum Beispiel das Entwickeln einer Postnatalen Depression höchst unwahrscheinlich.

Die Bindungsanalyse sieht idealerweise eine Begleitung während der gesamten Schwangerschaft vor. So entsteht über viele Monate eine feine, intensive und von Vertrauen geprägte Zusammenarbeit. Viele Paare, die sich für eine Bindungsanalyse entscheiden, beginnen mit der Bindungsanalyse tatsächlich schon in der Phase ihres Kinderwunsches. Die meisten Frauen starten um die 20. Schwangerschaftswoche herum.

Die Bindungsanalyse unterstützt die Mutter darin, ihre Feinfühligkeit schon während der Schwangerschaft zu entwickeln.

Bei der Bindungsanalyse ist es ebenfalls möglich den Vater während der Sitzungen mit einzubeziehen. Dies ist sogar wünschenswert und vorgesehen, allerdings sind die Sitzungen so konzipiert, dass sie zwar einem Schema folgen, aber dennoch jedes Mal einzigartig maßgeschneidert werden können.

Ziel der Bindungsanalyse ist eine Sensibilisierung der Mutter für die feinen Signale ihres Babys. Sie lernt ihr Baby nicht erst nach der Geburt kennen, sondern schon in der Schwangerschaft. So fühlt sich das Baby wahrgenommen und die Mutter spürt von Sitzung zu Sitzung mehr, dass sie zwar in Symbiose verbunden sind, aber sie fühlt vor allen Dingen auch die individuelle Einzigartigkeit ihres Ungeborenen.

Ablauf der Bindungsanalyse

Den Beginn einer jeden Bindungsanalyse bildet zunächst eine nuancierte Anamnese der Mutter. Sie darf (oft zum ersten Mal in ihrem Leben) die eigene Geburtsbiografie und ihre ureigenen Themen in Begleitung einer erfahrenen Bindungsanalytikerin in ein ganz neues Licht setzten. Behutsam und einfühlsam werden bedeutende Phasen des Frau-Werdens und des Frau-Seins exploriert. Die erste Blutung und ihr Umgang damit genauso wie die gelebte und gefühlte Sexualität. Auch die Themenfelder der Eltern- und Großelterngeneration werden liebevoll beleuchtet. Und so kommt ein reiches biografisches Material zustande, welches die Matrix und Basis für die sich nun anschließenden Babystunden bietet. Die Bindungsanalytikerin ordnet das Material der Anamnese auf eine Art und Weise, dass es den Schatz und den Reichtum für die Erzählende spürbar macht und zu großer innerer Einsicht führen kann. Das sortierende »Analysieren« und Spürbar-Erlebbar-machen für die Klientin ist eine wunderschöne Re-Konstruktionskunst der frühesten Wirklichkeit.

Das komplette anamnestische Material wird während der Bindungsanalyse oft noch verfeinert und vervollständigt, aber zunächst dient es als wertvolle Basis, um in den eigentlichen Prozess der Babystunden eintauchen zu können.

Für alle Beteiligten ist es ein immer wieder aufs Neue zu erlebendes Abenteuer und es ist von größter Wichtigkeit, dass sich die Frauen, Babys und Paare in sehr vertrauensvoller und absolut geschützter Atmosphäre fühlen.

Literaturliste

Ute Auhagen-Stephanos: Der Mutter-Embryo Dialog. Psychosozial-Verlag, 2017.

Helga Blazy (Hrsg.): Wie wenn man eine innere Stimme hört Bindung im pränatalen Raum. Mattes Verlag, 2009.

Helga Blazy (Hrsg): Frühestes Erleben in seiner transgenerationalen Präsenz. Mattes Verlag, 2021.

Threresia Maria De Jong: Im Dialog mit dem Ungeborenen. Via Nova, 2004.

György Hidas & Jenö Raffai: Die Nabelschnur der Seele. Psychosozial-Verlag, 2006.

Ludwig Janus: Der Seelenraum des Ungeborenen. Patmos Verlag, 2000.

Die Sitzungen bestehen aus verschiedenen Gesprächsanteilen. Herzstück der Bindungsanalyse ist jedoch ein Zustand, der in tiefer Entspannung stattfinden darf. Mit viel Ruhe und absolut im Tempo der jeweiligen Frau begleitet die Bindungsanalytikerin die Frau und das Baby in ihr in diesen fast meditativ anmutenden Entspannungszustand. Hierbei liegt die Frau in einer ihr angenehmen Position auf einem Sofa oder einem eigens für die Bindungsanalyse errichtetem Lager. Die Frau entwickelt (unter Anleitung) für sich innerlich ein einfaches und überaus wirkungsvolles Instrumentarium, um mit ihrem Schoßraum in Kontakt zu gehen. Zunächst fühlt sie sich in die Qualitäten ihrer Gebärmutter ein. Später »begegnet« sie dann in dieser gebärmütterlichen Sphäre ihrem Baby. Gerade am Anfang braucht es dafür viel Erfahrung und im übertragenen Sinne Fingerspitzengefühl von Seiten der Analytikerin.

Was nun folgt ist jedes Mal eine Reise mit vielen großen und kleinen Überraschungen. Die Mutter spürt lauschend in sich hinein. Dieses Lauschen verlangt, dass die Bindungsanalytikerin ihr einen Raum eröffnet, in dem sich ein fruchtbares Schweigen ausbreiten darf. Dieses Schweigen ist von eigentümlicher Qualität.

Die Bindungsanalyse »ehrt« die Seele des Babys

Das Schweigen in der Begegnung der Mutter mit ihrer Gebärmutter, mit dem Baby, was diese »bewohnt«, ist das von mir so bezeichnete »Herzstück« der Bindungsanalyse. Dieses Schweigen »sprengt« jedes Gesetz, das wir von herkömmlicher Kommunikation kennen. Das Schweigen birgt ein komplettes Universum von unterschiedlich »beredtem« Schweigen. Und es ist wahre »Kommunikationskunst« diesem Schweigen lauschen zu lernen. Dem »Gehörten« im Schweigen vertrauen und diesem weiten Raum Vertrauen zu schenken.

Daher ist es auch in der Bindungsanalyse von größter Bedeutung, dass sich dieser Prozess des Lauschens, des Schweigens, des Hörens, des Verstehens, des in anderen Kontextstellens langsam, von Sitzung zu Sitzung, entwickeln und zunehmend differenzieren kann.

Warum sind die Grenzen herkömmlicher Kommunikation gesprengt? Einfach weil in der Körperfühlsphäre des Babys die Ebenen von Zeit und Raum nicht mehr wirksam sind. Die Grenzen von Wachen und Schlafen sind ebenfalls nicht distinkt voneinander geschieden. Hinzu kommt, dass die Gebärmutter ein Mehrgenerationenraum ist. In den Ahnungen, Andeutungen, Anmutungen begegnen uns die Themen und Geschichten, die unsere Vorfahren uns sprichwörtlich in diese erste »Wiege« gelegen haben. Hier in der Gebärmutter sind sie alle hochwirksam. Dies erklärt sich unter anderem daraus, dass die Eizelle, aus der wir entstehen, in den Eierstöcken unserer Mütter schon in deren Mutter angelegt war. Vorausgesetzt man kann sich mit dem Konzept der zellulären »Erinnerung« bzw. mit den Ansätzen der Epigenetik vertraut machen, leuchtet es ein, dass wir uns in der Bindungsanalyse in diesem Mehrgenerationenraum befinden, was gerade zu Beginn durchaus »verwirrend« sein kann.

In der Bindungsanalyse »lernt«, entdeckt, die Frau, diese Ebenen zu unterscheiden, und sie weiß nach einer gewissen Dauer, die Signale des Babys auch vollkommen von ihren eigenen Themen, den Themen der Ahnen und möglichen Ängsten zu trennen und diese zu differenzieren.

Mit anderen Worten: Sie ist in der Lage, ihr Baby in sich als etwas absolut Eigenständiges und charaktervolles Einzigartiges wahrzunehmen.

Diese »Entdeckung« kann größte Freude und Glück auslösen. Auch Themen, die eventuell vordergründig als »schwierig« oder »belastend« wahrgenommen werden, erfahren Aufklärung und es kann etwas einzigartiges Gelingen:

Die Mutter bekommt die Gelegenheit »alte«, belastende Familienmuster zu durchbrechen und dadurch das Baby in sich von diesen Themen für immer zu befreien. Die Mutter kann so das Baby von »Altlasten« befreit tief in sich einlieben. Dieser Einliebeprozess bereitet den Frauen große Freude und tiefes Entzücken. Vor allem bei Frauen, die in einer vorhergehenden Schwangerschaft Probleme hatten, kann dies ein umfassender, heilsamer Prozess sein.

Die Themen der Babystunden und Bindungsanalysen sind so unterschiedlich und vielseitig, wie wir Menschen und Babys einzigartig sind. Mein Arbeitsalltag kommt mir so vor, als ob ich permanent staunen und entdecken darf. Den Abschluss der Bindungsanalyse bilden die letzten Sitzungen kurz vor der Geburt. In diesen Sitzungen bekommt die Schwangere Gelegenheit innerlich die »Trennung« vom Baby und die Geburt in verschiedenen Facetten zu antizipieren. Nach der Geburt gibt es mindestens noch eine Sitzung, innerhalb der das Geburtserleben rekapituliert und liebevoll integriert werden darf.

Das Befreien von »Altlasten« durch die Bindungsanalyse kann große Befreiung und Freude in der Mutter auslösen.

Am anschaulichsten wird die Feinheit und die Versatilität dieser verblüffenden, intrauterinen Kommunikation während des gesamten Bindungsanalyseprozesses anhand von detaillierten Fallbeispielen.

Bindungsanalysen sind nachhaltig und langfristig wirksam

Das Wundervolle ist, dass diese Möglichkeiten zur intrauterinen Kommunikation unglaublich nachhaltig sind, denn noch Jahre später können Mütter auf die Themen zurückgreifen, die sie sich so deutlich gemacht haben während ihrer Bindungsanalyse. Sie kennen ihr Baby eben nicht erst seit der Geburt, sondern oft schon neun Monate länger.

Sie haben eine vollkommen andere Art und Weise des Umgangs mit ihrem Baby, weil sie eben alles andere als unsicher sind. Auch wenn sie dann ihr Baby im Arm halten und es weiter entdecken, spüren alle Beteiligten, dass die Zeit im Mutterleib hier kein »blinder Fleck« ist, sondern eine Zeit des differenziertesten, liebevollen Austausches waren, den sie einfach »nur« fortzusetzen brauchen.

Auch hier gibt es also keinen Bruch, keine Unterbrechung zwischen der Kommunikation während der Schwangerschaft durch die Geburt, sondern eine liebevolle Fortsetzung.

In Tomte Tummetott von Astrid Lindgren raunt Tomte den Tieren weise Wichtelworte zu … In den Einzelsession mit meinen Frauen lehre ich die Schwangere weise Worte an ihr Baby zu richten und natürlich auch die Signale, die das Baby der Mama sendet zu registrieren und mit fortlaufender Schwangerschaft immer besser und treffender zu differenzieren. Auf diese Art und Weise lernen sich Mama und Baby schon während der Schwangerschaft lieben. In der Bindungsanalyse geschieht dies durch einen absolut einzigartigen und individuellen inneren Dialog mit einem schier unendlichen Spektrum an Möglichkeiten, die mich täglich aufs Neue beeindrucken und mir Einblicke in das größte Wunder der Menschheit vermitteln. Die Bindungsanalyse ist damit tatsächlich das, was meine Lehrerin und Pionierin im Bereich Bindungsanalyse nach Hidas und Raffai, Helga Blazy, so treffend ausdrückt: »Sie ist eine fantastische Re-Konstruktionskunst«.

Jede Frau hat die Möglichkeit das facettenreiche, grenzenlose Potential, welches in der allerersten unserer Beziehung und Bindung liegt, mit diesen Kommunikationsmöglichkeiten zu gestalten und den Reichtum dieser Beziehung zu feiern. Und das Beste ist: Dies ist nicht erst möglich, wenn das Baby schon in den Armen der Mama liegt. Dies ist möglich von Anfang an. Auch wenn der Anfang darin liegt, dass das Baby als Wunsch existiert. Auch, und sogar vor allem dann, wenn das Baby mit Techniken der artifiziellen Reproduktion in die Mama »hineinbefördert« wurde. Vor allem dann müssen wir einen Fokus auf den inneren Prozess des Einliebens legen. Auch, wenn die Mama schmerzhafte Verluste und Erfahrungen machen musste. Ja, das Ausschöpfen dieser Möglichkeiten hat sogar das Potential, schmerzhafte Erfahrungen aus der eigenen Schwangerschaft und Geburt zu heilen.

Ich bin mir bewusst darüber, dass in meinen Thesen für viele Menschen eine Provokation liegt. Das ist verständlich und nachvollziehbar. Ich wünsche mir sehr, dass meine Thesen aber auch vielen Frauen, Paaren und Familien Lust machen. Lust, das unerschöpfliche Feld dieser freien Kommunikationssphäre mit dem Ungeborenen zu entdecken. Ihr bedingungsloses Vertrauen dem Ungeborenen zu schenken und dadurch einen unbezahlbaren Schatz zu bergen, aus dem sie das ganze Leben mit ihrem Baby schöpfen können. Und dies gilt für das ungeborene Baby, genauso wie für den Säugling, das Kleinkind, den Teenager und sogar noch darüber hinaus. Die innige Verbindung, die du mit deinem Baby im Mutterleib aufgebaut hast, ist für immer gültig. Sie ist die stärkste Basis für sein ganzes Leben, die du ihm geben kannst. Und dies gilt übrigens auch für die ganze Dauer, die sein Leben dauert. Tatsächlich gilt dies sogar in besonderem Maße, auch für Kinder, die im Mutterleib sterben.

Als Bindungsanalytikerinnen rühren wir an dieses innere Lauschen, »wie wenn eine innere Stimme erklingt«, und erinnern die Frauen an vieles, was sie vorübergehend »vergessen« oder verdrängt haben. Aber sie tragen es in sich.

In unserer von Verstand und Sprache geprägten, schwangerschafts- und geburtsfeindlichen Kultur gibt es nur Weniges, was auf so eine tiefe und intensive Weise mit Glück erfüllen kann, wie diese innere Präsenz der Mutter. (Und natürlich auch des Vaters.)

Mit dieser einladenden Präsenz hat sie direkten Einfluss auf das Wohlergehen und das Erleben des Babys. Sie kann es im wahrsten Sinne des Wortes in sich »einlieben«.

Was für ein Schatz. Danke Bindungsanalyse.

Maya Kerpenisan

betreibt on-und offline eine Privatpraxis für Prä-und Perinatale Psychologie. Sie hat bis zum Physikum Medizin studiert und durch ihr Erforschen im Bereich Embryologie und Embryogenese den naturwissenschaftlichen Grundstein für ihre Begeisterung für die Anfänge des Wunders des Lebens gelegt. Maya Kerpensian ist Diplompsychologin, Haptopsychotherapeutin, Bindungsanalytikerin und seit zehn Jahren mit aquatischer Körperarbeit tätig. Aus diesen drei Bereichen hat sie amniotic Bodyworks kreiert und ihren einzigartigen Ansatz: WombWisdom. Mehr unter: www.mayakerpenisan.com.

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