Teenager und Bildschirme

Die Generation iGen sind jene Jugendlichen, die sich an eine Zeit vor dem Internet nicht erinnern können. Sie sind mit Smartphones und sozialen Medien aufgewachsen. Es heißt, eine Krise der psychischen Gesundheit von Jugendlichen sei im Anmarsch. Sind Smartphones und die sozialen Medien daran schuld?

Blake Boles

Eine unumstrittene Tatsache ist: Die Sonne wird morgen aufgehen.

Hier ist eine andere: Wenn du einem jungen Menschen mehr freie Zeit gibst, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er sie mit seinem Handy, Computer oder einer Spielkonsole verbringt.

Nach gängiger Meinung ist das ein Problem. Bildschirmzeit und soziale Medien sind gefährliche neue Technologien, die unbedingt von den Eltern eingeschränkt und in vorsichtigen, entwicklungsgerechten, gemessenen Dosen verteilt werden müssen.

Andere wiederum – darunter viele Befürworter|innen|Befürwortys der selbstbestimmten Bildung – sind der Meinung, dass die Risiken der Bildschirmzeit überbewertet werden. Die Vorteile von Unterhaltung, Spielen und sozialen Medien überwiegen die Nachteile, und es gibt keinen wirklichen Grund zur Sorge. Beschränkungen schaden mehr als sie nützen, argumentieren diese Leute.

Wer hat also Recht? Die Antwort ist ... kompliziert.

Laut Dr. Jean Twenge und ihrem 2017 erschienenen Buch iGen: Why Today's Super-Connected Kids Are Growing Up Less Rebellious, More Tolerant, Less Happy – and Completely Unprepared for Adulthood (dt. Titel: Mein Kind, sein Smartphone und ich – Warum es so wichtig ist, die neue Generation zu verstehen) gibt es bestimmte Indikatoren für die psychische Gesundheit von Teenagern, die verdächtigerweise genau zu dem Zeitpunkt gesunken sind, als Smartphones populär wurden. Die Beweise sind korrelativ, nicht kausal, was bedeutet, dass es schwierig ist, mit dem Finger direkt auf die Smartphones zu zeigen. Aber wie du gleich sehen wirst, ist es schwer, einen wahrscheinlicheren Schuldigen zu finden.

Trotz des reißerischen Titels ist Twenge eine solide Wissenschaftlerin, und ihr Buch stützt sich auf solide Forschungsergebnisse. Es kann helfen, selbst zu entscheiden, ob Bildschirme und Soziale Medien für die steigenden Raten von Depressionen und Ängsten unter Jugendlichen verantwortlich sind.

Wer ist Generation »iGen«?

Laut Twenge – die den Begriff geprägt hat – bezeichnet dies alle zwischen 1995 und 2012 Geborenen. Das ist die erste Generation, die mit dem iPhone (das 2007 auf den Markt kam) und Smartphones im Allgemeinen aufgewachsen ist (die Mehrheit der Amerikaner besaß ab 2011 ein Smartphone). Das sind die Kinder, die sich nicht an eine Zeit vor dem Internet erinnern können; diejenigen, die sich gegenseitig Nachrichten schickten, lange bevor sie in die Pubertät kamen.

Twenge stellt einige ziemlich große Behauptungen über iGen auf, also sollte sie besser ein paar ziemlich gute Quellen haben. Und die hat sie. Twenge stützt sich auf vier Langzeitstudien über junge Menschen – Fragebögen, die seit Jahrzehnten an Mittel- und Oberschüler|innen|Oberschülys und Studierende ausgegeben werden –, um die iGen-Generationen genau mit früheren Generationen zu vergleichen. Ihre Datensätze sind groß, was für die statistische Signifikanz wichtig ist, und sie sind repräsentativ für die US-Bevölkerung in Bezug auf Geschlecht, Ethnie, Wohnort und sozioökonomischen Status.

Altersbedingte Verzerrungen

Viele Artikel, die von älteren Menschen über die jüngere Generation geschrieben werden, sind mit Vorurteilen behaftet. Jede ältere Generation neigt dazu, sich selbst zu verherrlichen und die Neuankömmlinge zu verteufeln. Oder die ältere Generation zuckt mit den Schultern und sagt: »Die jungen Leute waren schon immer so«. Beides sind Beispiele für die Art von nachlässigem Denken, das durch langfristiges Sammeln von Daten behoben werden kann. Indem Sozialwissenschaftler direkt vergleichen, wie 18-Jährige in der Vergangenheit auf dieselben Fragen geantwortet haben wie 18-Jährige heute, minimieren sie altersbedingte Verzerrungen des Status quo.

Schließlich ist Twenge sich darüber im Klaren, dass es sich bei der Beschreibung der iGen um Durchschnittswerte handelt, nicht um Einzelpersonen. Wenn sie Behauptungen über iGen aufstellt, spricht sie über Gruppen, nicht über bestimmte junge Menschen. Es ist also durchaus möglich, dass dein Kind oder die Kinder deiner Freunde eine erstaunlich gute psychische Gesundheit haben und nicht süchtig nach Bildschirmen sind. Twenge widerspricht dir nicht. Aber sie sagt, dass sich die Dinge für das durchschnittliche Mitglied der iGen verändern – und zwar in großem Ausmaß.

Die Veränderungen

Worin bestehen nun diese großen Veränderungen? iGen ist ein langes Buch mit einer scheinbar endlosen Anzahl von Daten und Diagrammen, die man durchforsten muss. Erlaube mir, Twenges überzeugendste Erkenntnisse in nur vier Punkten zusammenzufassen:

  • Heutige Jugendliche feiern seltener Partys, gehen seltener aus, haben seltener Sex, fahren seltener Auto, haben seltener einen Job und trinken seltener Alkohol als frühere Generationen.
  • Zwölfklässler|innen|Zwölfklässlys verbringen im Durchschnitt sechs Stunden pro Tag mit SMS, Snapping, Instagraming, Surfen und Spielen und 97 Prozent von ihnen nutzen soziale Medien.
  • Die Nutzung sozialer Medien korreliert in hohem Maße mit Faktoren wie Unzufriedenheit, Einsamkeit, Schlafmangel und Depressionen bei Teenagern – und Mädchen sind am stärksten davon betroffen.
  • Im Jahr 2016 bezeichnete die Mehrheit der Studienanfänger|innen|Studienanfängys ihre psychische Gesundheit zum ersten Mal als unterdurchschnittlich.

Oha! Und jetzt kommt der wirklich faszinierende Teil: Irgendwann zwischen 2007 und 2011 – genau zu dem Zeitpunkt, als die Smartphones ihren Siegeszug antraten – haben viele dieser Indikatoren einen gewaltigen Sprung gemacht. (Wirf einen kurzen Blick auf die Grafiken in Twenges Artikel in The Atlantic, um ein Gespür für die Trendlinien zu bekommen.) Das ist im Wesentlichen ihr Argument: Die rasche Verbreitung von Smartphones (und die damit einhergehende Zunahme der Nutzung sozialer Medien) hat für die iGen erhebliche Konsequenzen.

Aber verfallen wir nicht gleich in Panik. Untersuchen wir zunächst einige interessante Details und Auswirkungen dieser Veränderungen, und dann werden wir diskutieren, was wir dagegen tun können.

Langsam erwachsen werden

Okay, Jugendliche gehen heute seltener auf Partys, haben seltener Sex und trinken seltener. Vielleicht ist das eine gute Sache, oder? Die Geburtenrate bei Teenagern erreichte 2015 einen historischen Tiefstand. Da gibt es nichts zu meckern. Vielleicht bedeutet das, dass die heutigen Teenager tatsächlich verantwortungsbewusster und reifer sind als frühere Generationen? Oder dass sie ein Haufen prüder Langweiler|innen|Langweilys sind.

Twenge sagt, dass die iGen weder prüde noch besser erzogen sind. Stattdessen brauchen sie einfach länger, um erwachsen zu werden. Dies sei ein langfristiger Trend, der in allen westlichen Ländern zu beobachten sei. Eltern bekämen weniger Kinder, investierten mehr Zeit und Geld in jedes einzelne und ermutigten ihre Kinder stärker, ein »Ich« zu entwickeln. So wie die Millennials langsamer erwachsen wurden als die Generation X, erinnert uns Twenge daran, dass die iGens nur diesem langfristigen Trend folgen.

Sind die heutigen Teenager verantwortungsbewusster und reifer oder prüder und langweiliger als frühere Generationen?

Twenge erklärt, dass der Frontalkortex eines jungen Menschen bis zum Alter von 25 Jahren noch nicht vollständig verdrahtet ist, und sie räumt ein, dass iGen möglicherweise über einen längeren Zeitraum mehr Schutz benötigt (siehe meine Zusammenfassung eines anderen Buches für weitere Einzelheiten: Are Teenage Brains Really So Different?). Aber sie erinnert uns auch daran, dass Erfahrungen unser Gehirn verändern, und deshalb ist das Argument des »sich noch entwickelnden Gehirns« eigentlich ein schwaches Argument. Vielleicht haben die heutigen Teenager und jungen Erwachsenen gerade deshalb einen unterentwickelten Frontalkortex, weil sie noch keine Verantwortung als Erwachsene übernommen haben. »Wenn es 1950 Gehirnscanner gegeben hätte«, sinniert Twenge, »frage ich mich, was sie von einer Generation gezeigt hätten, die in der Regel mit 18 zu arbeiten begann, mit 21 heiratete und bald darauf Kinder bekam«.

Ich liebe diesen Punkt. Nur weil sich das Gehirn eines jungen Menschen noch in der Entwicklungsphase befindet – und nur weil Kinder in der heutigen Kultur langsamer erwachsen werden – bedeutet das nicht, dass ein bestimmtes Kind keine größere Verantwortung übernehmen kann. Der Mensch ist ein äußerst anpassungsfähiges Wesen, das sich großen Herausforderungen stellen kann, wenn es nötig ist, wie Jugendliche aus unzähligen früheren Generationen bewiesen haben. Zwar spielen die Entwicklungsstadien eine Rolle, aber es ist auch klar, dass junge Menschen besser darin werden, große Entscheidungen für sich selbst zu treffen, indem sie große Entscheidungen für sich selbst treffen. Wir können dazu beitragen, diese Neuronen mit Myelin zu schmieren, indem wir jungen Menschen echte Verantwortung übertragen, sobald sie dazu bereit sind, und sie nicht wie Porzellanpuppen oder ungebackenes Brot behandeln.

Der Smartphone-Wahn und seine Folgen

Twenge zeichnet ein ziemlich alarmierendes Bild der modernen Smartphone-Nutzung: Der typische Teenager schläft mit seinem Telefon an der Seite, benutzt es etwa sechs Stunden pro Tag und überprüft ständig seine Benachrichtigungen. Mädchen verbringen mehr Zeit mit sozialen Medien, während Jungen eher zu Spielen neigen.

Dies ist nicht nur ein Phänomen der Mittelschicht oder reicher Kinder. Benachteiligte Jugendliche verbringen genauso viel (oder mehr) Zeit online wie diejenigen mit mehr Ressourcen. »Die Smartphone-Ära«, so Twenge, »hat dazu geführt, dass die Kluft zwischen den sozialen Schichten beim Zugang zum Internet praktisch aufgehoben ist«.

Multitasking ist heutzutage alltäglich. In einer Studie wurde ein Programm auf den Laptops von Studierenden installiert, das alle fünf Sekunden einen Screenshot speicherte. Die Forscher fanden heraus, dass die Studierenden im Durchschnitt alle 19 Sekunden zwischen den Aufgaben wechselten, und mehr als 75 Prozent der Computerfenster der Studierenden waren weniger als eine Minute geöffnet. Vorbei sind die Zeiten, in denen man stundenlang in einem Buch las, ohne sich ablenken zu lassen – und es überrascht nicht, dass die iGen weniger gedruckte Bücher zum Vergnügen lesen als jede andere Generation zuvor, wie Twenge berichtet. Hausaufgaben zu machen, während man Netflix schaut, auf Instagram surft und Snapchats verschickt, ist die neue Normalität.

Twenge verurteilt nichts von alledem als schlecht: Es ist einfach so. Sie legt eine bemerkenswerte Zurückhaltung an den Tag, indem sie die Gewohnheiten der iGen beschreibt, ohne sie zu verurteilen. Aber es fällt schwer, nicht zu urteilen, wenn sie über die abnehmende geistige Gesundheit von Jugendlichen berichtet, die viel Zeit in den sozialen Medien verbringen. Diese Teenager berichten von geringerer Zufriedenheit, mehr Einsamkeit und mehr Symptomen von Depressionen. (Hier sind einige der Beweise kausal, nicht nur korrelativ.) Und es scheint, dass die jüngsten Teenager, wie Achtklässler|innen|Achtklässlys, am stärksten gefährdet sind – insbesondere diejenigen, die zehn oder mehr Stunden pro Woche mit sozialen Medien verbringen.

Die Botschaft der Daten ist laut und deutlich: Unglücklichsein, Einsamkeit und Depressionssymptome sind positiv korreliert mit einem hohen Anteil an Bildschirmzeit, und sie sind negativ korreliert mit Bewegung, sozialer Interaktion von Angesicht zu Angesicht, religiösen Gottesdiensten und dem Lesen von gedruckten Medien. Der Kontrast ist so krass, dass es lächerlich ist.

Mädchen sind besonders gefährdet: 2015 fühlten sich 48 Prozent mehr Mädchen »ausgegrenzt« als 2010, bei den Jungen waren es 27 Prozent mehr. Sie sind auch doppelt so häufig von Cyber-Mobbing betroffen. Woran liegt das? Twenge vermutet, dass ... soziale Medien das perfekte Medium für die von Mädchen bevorzugte verbale Aggression [sind]. Schon vor dem Internet neigten Jungen dazu, sich gegenseitig körperlich und Mädchen sich verbal zu schikanieren. Soziale Medien bieten Mädchen der Mittel- und Oberstufe rund um die Uhr eine Plattform, um die von ihnen bevorzugte verbale Aggression auszuüben und andere Mädchen zu ächten und auszugrenzen.

Was ist mit Studierenden? In der American Freshman Survey, einer Umfrage unter Studienanfänger|innen|Studienanfängys, erreichte 2016 jeder Indikator für negative psychische Gesundheit einen neuen Höchststand: Heutige Studierende geben häufiger an, sich deprimiert oder überfordert zu fühlen oder erwarten, Beratungsdienste in Anspruch nehmen zu müssen, als jede Generation zuvor.

Twenge stellt fest, dass der plötzliche Anstieg der depressiven Symptome bei jungen Menschen fast genau zu dem Zeitpunkt erfolgte, als Smartphones aufkamen und die persönliche Interaktion abnahm. Da es sich um korrelative Daten handelt, ist es möglich, dass depressive Menschen einfach häufiger soziale Medien nutzen als nicht depressive Menschen. Aber warum haben Depressionssymptome dann so schnell und in letzter Zeit zugenommen? Die Rezession von 2007/8 erklärt es nicht. Die Arbeitslosigkeit erklärt es nicht. Twenge hält Smartphones für die wahrscheinlichsten Schuldigen. Ob sie dafür verantwortlich sind, dass wir weniger von Angesicht zu Angesicht kommunizieren, uns den Schlaf rauben oder uns mit FOMO (Fear of Missing Out, dt.: die Angst, etwas zu verpassen) lähmen, ist unklar. Aber die allgemeine Korrelation ist klar: Mit dem sprunghaften Anstieg der Smartphones und Nutzung der sozialen Medien ist die psychische Gesundheit junger Menschen stark zurückgegangen.

Twenge geht noch auf viele andere Veränderungen in den Einstellungen und Verhaltensweisen der iGen ein – ihre religiösen Überzeugungen, ihre Sicherheit, ihre Beschäftigung, ihre Beziehungen und ihre Politik –, aber der Schwerpunkt ihrer Argumentation bleibt auf dem Zusammenhang zwischen Bildschirmzeit und psychischer Gesundheit. Was können wir also dagegen tun?

Wer hätte das gedacht: das Smartphone als Ort sozialer Offline-Interaktion.

Die Ratschläge

Twenge gibt eine verblüffende Anzahl von Empfehlungen für den Umgang mit iGen als Elternteil; im Folgenden gebe ich ein Dutzend davon wieder. Da Twenge für ein Mainstream-Publikum geschrieben hat, sind viele ihrer Ratschläge vorhersehbar kontrollorientiert, aber ich werde im nächsten Abschnitt einige positivere Strategien hervorheben. Meine persönlichen Ergänzungen sind in Klammern vermerkt.

  • Warte so lange wie möglich, bis du deinem Kind ein Mobiltelefon gibst. Ein Kind im mittleren Schulalter (z. B. ein|e| Elfjährige|r|Elfjährigy) braucht nicht mehr als ein Klapphandy – und bedenke, dass gerade diese Kinder und Jugendlichen am stärksten von einem hohen Konsum sozialer Medien betroffen sind.
  • Wenn dein Kind im mittleren Schulalter in den sozialen Medien aktiv sein möchte, melde es von deinem Gerät aus an, wo du den Zugang bei Bedarf einschränken kannst. Twenge erinnert uns daran, dass psychische Gesundheitsprobleme nur mit mehr als zwei Stunden Bildschirmzeit pro Tag in Verbindung gebracht werden. Beim Erwägen willkürlicher Bildschirmzeitbegrenzungen regt Twenge an, darauf zu achten, wie viele hochrangige Mitglieder von Technologieunternehmen die Technologie, die ihre eigenen Kinder nutzen, streng begrenzen. Wenn die Leute, die diese Produkte herstellen, nicht zulassen, dass ihre eigenen Kinder sie benutzen, ist das ein Zeichen. (Twenge ist nicht deutlich darüber, ob das Schreiben von SMS auf einem Klapphandy als »Bildschirmzeit« gilt, aber ich vermute, nicht.)
  • Wenn du deinem Kind ein Smartphone schenkst, installiere eine App, die die Zeit begrenzt, die es auf bestimmten Websites oder Apps verbringen kann.
  • Niemand – auch du als Elternteil nicht – sollte in einem Umkreis von drei Metern um sein Telefon schlafen. (Erwäge, dir eine Armbanduhr mit Weckfunktion zuzulegen, damit du wirklich kein Telefon neben dem Bett brauchst.)
  • Wenn dein Kind in den sozialen Medien aktiv werden möchte, ermutigen es, Snapchat statt Instagram oder Facebook beizutreten. Warum? Weil die Beiträge auf Snapchat zeitlich begrenzt sind und von Person zu Person geteilt werden. Auf Instagram und Facebook sind die Beiträge dauerhaft und öffentlich. Auf Snapchat gibt es etwas weniger Druck, perfekt auszusehen, etwas weniger FOMO und etwas mehr Freiheit, Fehler zu machen.
  • Wenn du arbeitest oder lernst, lege dein Telefon in einen anderen Raum. Eltern können in dieser Hinsicht ein Vorbild sein, und zwar nicht nur während der Arbeit: Nehmt euer Telefon nicht während der Mahlzeiten oder während Gesprächen in die Hand.
  • Mache Teenagern – auch jüngeren – klar, dass es keine gute Idee ist, ein Nacktfoto von sich zu verschicken. Ein Fehler kann hier jahrelang nachwirken.
  • Ermutige deinen Teenager, sich persönlich zu treffen und verurteile sie nicht, wenn es scheint, dass sie »nichts tun«. Persönliche Treffen mit Freund|innen|ys sind für die psychische Gesundheit von Teenagern von entscheidender Bedeutung, und in dieser Zeit entwickeln sie die echten sozialen Fähigkeiten, die ihnen als Erwachsene von Nutzen sein werden. Wenn es dich verrückt macht, sie durch die Gegend zu fahren, bestehe darauf, dass dein Teenager mit dem Fahrrad fährt oder öffentliche Verkehrsmittel benutzt.
  • Hilf deinen Teenagern, Sonnenlicht zu tanken, Sport zu treiben, sich mit Omega-3-Fettsäuren zu ernähren, ausreichend zu schlafen und viel mit Menschen in Kontakt zu kommen. Dies sind die grundlegenden Bausteine, um Ängste und Depressionen zu bekämpfen. Bei manchen Menschen können auch regelmäßige Therapien und antidepressive Medikamente einen großen Unterschied machen. (Und vergiss nicht die Meditation.)
  • Nimm die Anzeichen einer Depression bei Jugendlichen ernst, auch bei kleinen Kindern. Hole dir bei Bedarf einen Termin bei einer Fachkraft. Die Selbstmordrate bei Teenagern ist in den USA nach wie vor unannehmbar hoch, und es ist besser, sich früher als später Hilfe zu holen.
  • Schütze dein Kind vor Mobbing, auch vor Cybermobbing. Twenge ist mit dieser Empfehlung vorsichtig, da sie nicht glaubt, dass jedes Kind vor allen Schäden (insbesondere emotionalen Schäden) geschützt werden kann oder sollte, und sie glaubt auch nicht, dass Sicherheit automatisch der wichtigste Wert für junge Menschen ist.
  • Unterstütze dein Kind dabei, ein Auszeitjahr zwischen dem Schulabschluss und dem Studium/der Ausbildung zu machen. In dieser Zeit können sie arbeiten, reisen, sich ehrenamtlich engagieren und generell erwachsen werden, bevor sie ihr Zuhause verlassen. (Ich bin ein großer Fan von Auszeitjahren und habe mich gefreut, dass dies in dem Buch erwähnt wird).

Was sollte ein freiheitsliebender Elternteil tun?

Während die Zahlen zur psychischen Gesundheit der iGen in der Tat alarmierend sind und es scheint, dass die Bildschirmzeit wahrscheinlich schuld daran ist, zeichnet Twenge kein optimistisches Bild von den Möglichkeiten der Eltern, die Bildschirmzeit ihrer Kinder zu überwachen und zu kontrollieren. Die Katze ist einfach aus dem Sack. Smartphones, soziale Medien und hochwertige Videospiele sind auf dem Vormarsch – und die virtuelle Realität ist nicht mehr weit entfernt.

Wir sorgen uns um unsere Kinder und wollen sie schützen. Aber macht es Sinn, vergeblich zu versuchen, die Bildschirmzeit und die Nutzung der sozialen Medien eines Teenagers einzuschränken, wenn die gesamte Kultur gegen dich ist? Das ist ein Rezept für einen langwierigen Kampf, den man am Ende mit Sicherheit verlieren wird.

Was ich von den Eltern gelernt habe, die dieses moderne Minenfeld erfolgreich durchquert haben, ist Folgendes: Während die Einschränkung der Bildschirmzeit bei jüngeren Kindern funktionieren mag, brauchen Teenager überzeugende positive Beispiele für Erfahrungen, die keine Bildschirme beinhalten.

Wie immer erfordert dies von den Eltern ein sorgfältiges Modellieren – und viel Geduld. Lies gedruckte Bücher, Zeitschriften und Zeitungen und lege sie im Haus aus, damit dein Teenager sie findet. Lade deinen Teenager zu langen Wanderungen, Radtouren oder noch besser zu Rucksacktouren mit Übernachtung ein, wo es keine mobilen Datensignale gibt. Schwimme mit ihnen in Seen. Spiele mit ihnen Mannschaftssportarten. Reise in ferne Länder. Spiele altmodische Brettspiele. Schreibe gemeinsam Briefe. (Weißt du, wie schön es heutzutage ist, einen handgeschriebenen Brief zu erhalten?) Das Prinzip lautet: Erinnere dich an die bedeutungsvollsten und interessantesten Erlebnisse, die du hattest, bevor Smartphones die Oberhand gewannen, und teilen diese mit deinem Teenager.

Natürlich kann es sein, dass das nicht funktioniert und dein Teenager sich mehr für sein Gerät als für deine langweiligen Aktivitäten als alter Mensch interessiert. Wie Jean Twenge uns in ihrem Buch immer wieder darauf hinweist, ist dies einfach die neue Realität. Wir können unser Bestes tun, um ein Vorbild zu sein, Alternativen anzubieten und vernünftige Einschränkungen vorzunehmen – aber im Grunde haben die Bildschirme bereits gewonnen, und die damit verbundenen Probleme für die psychische Gesundheit werden wohl auf Dauer bestehen bleiben. Ich wünschte, ich könnte diesen Artikel beschwingter beenden, aber das ist es, was Twenges Buch uns hinterlässt. Das ist es. Willkommen bei iGen.

Blake Boles

studierte Astrophysik an der UC Berkeley, als er auf die Arbeit von John Taylor Gatto stieß und sich intensiv mit selbstbestimmter Bildung auseinandersetzte. Er schrieb mehrere Bücher zum Thema Bildung, engagiert sich seit viele Jahren zum Thema Unschooling, Teenager und Bildung und selbstbestimmte Bildung. Mehr unter: www.blakeboles.com.

pexels.com, unsplash.com

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