Der verdammt gute Leitfaden fürs Unschoolen (Teil 5)

Als Blogger auf dem Gebiet der Persönlichkeitsentwicklung ist der US-Amerikaner Leo Babauta von Zenhabits auch in Deutschland bekannt. Er ist Vater von sechs Kindern, wovon vier sich zu Hause bilden. In dieser Reihe gibt er Werkzeuge an die Hand, die das Unschoolen – Freilernen – erleichtern und beantwortet Fragen, die entstehen.

Leo Babauta

Wie wird mein Unschooler einen Job bekommen?

Hier ist eine tolle Frage von einem Leser: Da Unschooler keinem Lehrplan folgen oder zur Schule/Hochschule/Universität gehen – ist es durchaus in Ordnung, ihr eigenes Unternehmen zu gründen, aber wenn nicht, was würden sie in ihren Lebenslauf schreiben, um eine Arbeit zu bekommen?

Ich betreibe mein eigenes Unternehmen, bin aber über die Arbeit an anderer Stelle hierhergekommen, habe dort wertvolle Lektionen gelernt und wäre ohne meine Schulnoten und meinen Universitätsabschluss nicht dorthin gekommen. Deshalb interessiert mich der weitere Weg nach dem Unschooling.

Also selbst wenn man sich selbstständig machen will, sollte man vielleicht erst einmal eine Arbeit annehmen, um sich Fähigkeiten anzueignen, von erfahrenen Leuten in dem Bereich zu lernen, ein Netzwerk aufzubauen usw. Das ist absolut richtig.

Zunächst sei gesagt, dass wir nur über Arbeitsstellen sprechen, die nicht unbedingt einen Hochschulabschluss erfordern – wir schließen also Ärzte, Anwälte, Krankenschwestern und dergleichen aus. Für diese Berufe braucht man gegenwärtig. einen Abschluss. Aber für viele andere Berufe (eine große Anzahl heutzutage) ist ein Abschluss nicht erforderlich, obwohl er oft hilfreich sein kann.

Aber es gibt viele Möglichkeiten, einen Arbeitsplatz, ohne eine formale oder traditionelle Ausbildung zu bekommen. Ich würde sogar behaupten, dass das Überspringen einer traditionellen Ausbildung in einigen Fällen sogar ein Vorteil ist.

Einige Gedanken dazu:

  • Ich habe in der Oberschule als Journalist angefangen (als freier Mitarbeiter für meine Lokalzeitung), und obwohl ich nach der Oberschule aufs College gegangen bin, habe ich während des gesamten Studiums als Journalist gearbeitet – und es stellte sich heraus, dass das College das am wenigsten Nützliche war, was ich in diesen Jahren gemacht habe. Die Arbeit bei einer echten Zeitung war viel nützlicher, und ich habe bei dieser Arbeit eine Menge Fähigkeiten erworben. Ich will damit nicht sagen, dass ich im College nichts gelernt habe, aber es war die vielen Stunden, die ich da reingesteckt habe, nicht wert.
  • Wie habe ich meinen Arbeitsplatz bekommen? Indem ich mich beworben habe, ein Vorstellungsgespräch geführt, mein Interesse an dem Thema gezeigt, einige Schreibproben vorgelegt und mich bei der Arbeit bewährt habe. Nichts davon erforderte eine Ausbildung.
  • Die meisten Arbeitsplätze erfordern tatsächlich Fähigkeiten und Erfahrung. Die kann man auch ohne einen Abschluss erwerben. Zum Beispiel kann man sich selbst Programmierkenntnisse durch Online-Tutorials beibringen (ich mache das jetzt mit meinen Söhnen im Teenageralter) und dann eigene Web-Apps erstellen, die man in ein Portfolio stellen kann, und zu Open-Source-Projekten beitragen, um Fähigkeiten, Erfahrung, einen Ruf und ein Portfolio aufzubauen. Bring dir also selbst Fähigkeiten bei, lerne alleine oder mit anderen, schließe dich Projekten an, in denen du dich freiwillig engagieren kannst, sei leidenschaftlich dabei, baue Erfahrung und einen Ruf auf.
  • Wenn man die vier Jahre, die andere für das Studium verwenden, nimmt und stattdessen diese Jahre damit verbringt, seine Fähigkeiten zu entwickeln, an Projekten mitzuarbeiten und ein Portfolio aufzubauen, ist man in vielen Fällen viel qualifizierter als ein Hochschulabsolvent.
  • Suche dir einen Mentor in der Schule. Bitte um Hilfe. Biete dem Mentor an, ihm bei Projekten zu helfen, auch wenn es nur um Routinearbeiten geht. Der Mentor kann dir beim Lernen helfen, aber auch dabei, eine Arbeit zu bekommen.
  • Oft kennt die Familie eines jungen Menschen viele Leute in verschiedenen Branchen. Diese Leute sind vielleicht bereit, dem Teenager eine Chance auf einen Einstiegsjob zu geben, weil sie der Familie vertrauen. Nimm den Einstiegsjob an, arbeite hart, lerne, finde Freunde, arbeite dich hoch.
  • Erschaffe selbst großartige Projekte in deinem Fachgebiet. Veröffentliche sie. Wenn du das tust, wirst du wahrgenommen. Du zeigst dein Talent und deine Fähigkeiten. Die Leute werden dich aufgrund dieser Projekte einstellen.
  • Gründe dein eigenes kleines Unternehmen in deinem Fachgebiet. Gehe mit Leidenschaft an die Sache heran. Du wirst eine Menge lernen, und das ist toll für ein Portfolio.
  • Freunde dich mit interessanten Menschen an, die leidenschaftlich bei dem sind, was sie tun. Nutzt einander zur Inspiration, aber arbeitet auch zusammen. Baut Dinge. Macht interessante Dinge zusammen. Und erzähle anderen, dass du auf der Suche nach einem Arbeitsplatz bist – vielleicht kennen sie jemanden.
  • Lerne immer neue Fähigkeiten. Besuche Online-Tutorials. Übe. Bastle Dinge. Belege nebenbei Kurse an der Volkshochschule, wenn das hilft.
  • Biete an, Top-Leuten bei ihren Projekten zu helfen. Engagiere dich ehrenamtlich, arbeite umsonst. Sage ihnen, dass du alles tun würdest. Erstelle ein Vorstellungsvideo und zeige deine Persönlichkeit. Erledige deine Aufgaben gut, wenn du für sie arbeitest. Sie werden es dir danken.

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