Lebenslanges Lernen und Scham

Ein Kommentar von Ruth Abraham

Neulich kam spontaner Besuch. Bei uns steht die Tür immer offen und jemand kam die Treppe hoch. Das erste was ich tat? Mein Handy weglegen, an dem ich gerade Sudoku spielte.

Ich bin bei Level »Extreme 3«. Seit sechs Wochen spiele ich Sudoku an meinem Handy, jeden Tag. Ich bin nicht schlecht. Ich weiß, wie ich mich annähere an ein Problem, welche Denkweisen helfen und welche nicht – ich lerne.

Aber ich schäme mich. Und wenn mich jemand dabei sieht, versuche ich schnell mein Handy zu verstecken.

Peinlich, aber wahr.

Für mich als Mutter von drei Kindern, die Freilerner:innen sind, ist das eine seltsame Erfahrung, mich zu schämen für etwas, was ich mag und lerne.

Ich weiß, welchen Schaden Scham anrichtet in uns, vor allem wenn es um Lernen geht. Scham zerstört unser Selbstbewusstsein und macht Gewalt wahrscheinlicher. Scham zerstört Beziehungen. Scham macht Stress und der wiederum ist wahnsinnig gefährlich für uns. Kurz: Ich wäre ernsthaft besorgt, wenn meine Kinder sich so schämen würden für etwas, was sie gerade interessiert, wie ich mich für meine Sudoku-App.

Ich weiß auch, warum ich mich schäme. Es hat zwei Gründe.

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