Unser Weg ohne Kindergarten

Ab wann geht mein Kind in den Kindergarten? Wird es überhaupt gehen? Welche Alternativen gibt es? Hier berichten Familien über ihren Weg der Selbstbetreuung, ihre Gründe und wie sie es bewerkstelligt haben.

Mit Mama zur Arbeit

Julita mit drei Kindern (25, 21 und 14)

»Nein, das Kind muss doch Mittagsschlaf machen. Was sollen wir denn den anderen Kindern sagen? Da wollen doch alle nicht mehr schlafen, wenn wir da jetzt eine Ausnahme machen«, bekam ich zur Antwort, als unser jüngster Sohn Egon im Alter von drei Jahren in die Kita kam und dort nicht schlafen und eigentlich gar nicht mehr hin gehen wollte. Leider war es genau die Zeit, die ich ihn dort lassen musste, weil ich drei Tage pro Woche von 13 bis 15 Uhr in der gegenüberliegenden Freien Schule arbeitete. Ich überlegte, was ich machen könnte.

Da fiel mir meine Freundin Karla ein, die ihren Sohn, der im selben Alter war, gar nicht in den Kindergarten gab, weil er es konsequent verweigerte. Ich fragte sie, wie sie das denn macht, so ohne Kindergarten. Als Pfarrfrau mit sieben Kindern war sie in einen ganz anderen Tagesablauf eingespannt als ich. Sie war selbst ratlos und wurschtelte sich so durch. Insgeheim wünschte sie sich wenigstens einen kinderfreien Vormittag in der Woche, was mir auch so ging. Wir kamen auf die Idee zu probieren, ob unsere Kinder, die sich prächtig verstanden und stundenlang im Sand zusammenspielten, einfach einen Tag in der jeweils anderen Familie verbringen wollten. Wir hatten Glück und es funktionierte wunderbar. Karla war einen Tag ohne Kleinkind und ich auch. An dem Tag, wo beide Kinder bei mir zu Hause waren, hatte ich trotzdem etwas mehr Zeit, da sie miteinander spielten.

Nun gab es da noch meine drei Schultage, für die ich mir etwas ausdenken musste: Unser Sohn ging erst einmal nur noch am Vormittag von acht bis elf Uhr in die Kita. Das Problem: Ich brauchte Betreuung von 13 bis 15 Uhr. Also fragte ich im Kindergarten nach. Leider war es nicht möglich eine flexible Betreuungszeit auszuhandeln. »Sie können ihn flexibel bringen aber dann müssen sie neun Stunden bezahlen, weil wir ja das Personal dann immer anwesend haben müssen«, war die Antwort. Das sah ich nicht ein, da ich die Betreuung nur für zwei Stunden an drei Tagen brauchte.

Gemeinsame Mahlzeiten geben unserem Tag eine wiederkehrende Struktur.

Ich überlegte weiter: Manchmal übernahmen mein Mann, der damals leider beruflich sehr eingespannt war, oder die großen Geschwister die Betreuung. Das funktionierte zwar an sich gut, aber es war nicht regelmäßig möglich. Daher nahm ich unseren Dreijährigen eines Tages mit auf Arbeit, weil kein anderer aus meiner Familie Zeit hatte. Das erste Mal gingen wir zum Schulgartentag gemeinsam hin. Die Schülerinnen freuten sich und fanden das lustig, dass so ein kleiner Junge mit in die Schule geht. Es dauerte nicht lang, da freundete er sich mit ein paar Mädchen an, die dann während der Schulgartenzeit mit ihm arbeiteten oder spazieren gingen.

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