Sing, o Muse: Über den Zusammenhang zwischen Kreativität und selbstbestimmter Bildung

Die Begriffe »Kreativität« und »selbstbestimmte Bildung« sind nicht leicht zu definieren. Und besteht ein Zusammenhang zwischen ihnen? Welche Überschneidungen gibt es zwischen den beiden Konzepten?

Benjamin Riley

Kreativität wird als Fähigkeit beschrieben, innovative, originelle und fantasievolle Ideen oder Werke hervorzubringen. Selbstbestimmte Bildung bezieht sich auf eine Bildung, bei der Schüler:innen selbst entscheiden, was, wo und wie sie lernen, und nicht strikt einem vorgegebenen Lehrplan folgen. Derzeit gibt es drei Hauptformen der selbstbestimmten Bildung: Unschooling, Demokratische Schulen und Freie Schulen. Dieser Artikel erörtert fünf Überschneidungen zwischen den Konzepten der Kreativität und der selbstbestimmten Bildung. Diese Überschneidungen betreffen die Verbindung zwischen Leben und Lernen, die entscheidende Rolle des Spielens und Experimentierens, eine größere persönliche Autonomie, einen starker Sinn für persönliche Initiative und eine egalitäre Sozialstruktur.

Einleitung

Die Inspiration für diesen Artikel kam in Form einer täuschend einfachen Frage: Gibt es einen Zusammenhang zwischen Kreativität und selbstbestimmter Bildung? Aus meiner persönlichen Erfahrung als Homeschooler war ich versucht, diese Frage sofort mit einem klaren Ja zu beantworten. Die Freiheit, sich auf Themen zu konzentrieren, die mich interessieren, war und ist eine Quelle immenser Freude, die mich letztlich zu meiner Karriere als Berufsmusiker und Musikpädagoge geführt hat. Als ich mich jedoch eingehender mit dieser Frage beschäftigte, wurde mir klar, dass sich dahinter viel mehr verbirgt, als mir zunächst bewusst war. Erstens sind die Begriffe »Kreativität« und »selbstbestimmte Bildung« nicht gerade einfach zu definieren oder zu messen, da ein Kernpunkt beider Begriffe darin besteht, dass sie sich konventionellen Maßstäben der Standardisierung entziehen. Zweitens wurde mir klar, dass es angesichts der Flexibilität beider Begriffe sehr schwierig sein würde, zu einer rein quantitativen Schlussfolgerung zu gelangen. Daher habe ich mein Bestes getan, um Kreativität und selbstbestimmte Bildung zu definieren, indem ich mit einer Wörterbuchdefinition begann und diese dann mit wissenschaftlichen Untersuchungen zu den Hauptmerkmalen der beiden Begriffe untermauerte. Darüber hinaus habe ich mich auf drei Formen der selbstbestimmten Bildung konzentriert: Unschooling, Demokratische Schulen und Freie Schulen. Bei der Erörterung der Demokratischen Schulen und der Freien Schulen gehe ich hauptsächlich auf die Sudbury Valley School bzw. die Summerhill School ein. Ich habe mich dafür entschieden, weil diese Schulen zu den bekanntesten und am besten dokumentierten Schulen ihrer Art gehören und weil die Philosophie beider Schulen die Hauptgrundsätze der selbstbestimmten Bildung angemessen repräsentiert.

In der Sudbury Valley School in Framingham, MA, lernen Schüler:innen selbstbestimmt.

Kreativität

Das Cambridge Academic Content Dictionary definiert Kreativität als »die Fähigkeit, originelle und ungewöhnliche Ideen zu entwickeln oder etwas Neues oder Fantasievolles zu schaffen«. Innerhalb dieser Definition umfasst das Konzept der Kreativität zwei Hauptkomponenten: Ideen und Erschaffung, die Eigenschaften wie Neuheit, Originalität und Innovation aufweisen müssen. Wie diese Attribute gemessen werden, ist natürlich etwas subjektiv und hängt letztlich von dem breiteren historischen und kulturellen Kontext ab, in dem sie verwendet werden. Der Psychologe Ellis Paul Torrance betrachtete Kreativität als eine Verschmelzung von Eigenschaften wie Sensibilität für Probleme oder Lücken, Aufspüren von Schwierigkeiten, Suche nach Lösungen, Aufstellen und Testen von Hypothesen und Teilen der Ergebnisse.

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