»Ich habe hier tatsächlich gelernt, selbstständig zu sein«

Adele (13), Jonna (12) und Klara (12) besuchen die Infinita, eine Demokratische Schule in Steinhorst, Schleswig-Holstein. Hier erzählen sie aus ihrem Schulalltag zwischen Selbstständigkeit und dem Satz des Pythagoras.

Ein Interview

Wie lange seid ihr schon in der Demokratischen Schule?

Adele: Ich bin mit der ersten Klasse auf die Schule gekommen, dann war ich dreieinhalb Jahre hier. Das zweite Halbjahr der 4. Klasse, die 5. und 6. Klasse war ich dann mit meiner Freundin, die auch von der Demokratischen Schule kam, auf einer staatlichen Schule. Wir wollten das mal ausprobieren. Ich bin dann zur 7. Klasse wieder hierhin zurückgekommen. Ich mochte das einfach hier lieber und mir war es da auch bisschen zu viel – ich war auf dem Gymnasium. Und meine Eltern fanden das hier auch besser als auf der anderen Schule.

Jonna: Ich bin seit der 1. Klasse auf dieser Schule. Jetzt bin ich in der 7. Klasse, ich bin quasi schon immer hier. Ich habe auch mal ein bisschen drüber nachgedacht, die Schule zu wechseln, aber eigentlich war für mich klar, dass ich hier lieber bin, weil ich einfach das Konzept nicht so gern mag an der Regelschule.

Klara: Ich war die ersten drei Schuljahre auf einer normalen Schule und bin dann ab der 4. hier hin gewechselt, weil ich vor allem sehr krasse Probleme mit den Hausaufgaben hatte und überhaupt keine Freizeit mehr. Das war irgendwann echt nicht mehr schön. Und jetzt bin ich in der 7., also ungefähr vier Jahre hier.

Was waren eure Erwartungen an eine Demokratische Schule?

J: Ich fand´s toll, dass ich mir hier selber Kurse wünschen kann zu Anfang des Schuljahres. Das fand ich echt gut. Und weil ich einfach meine eigenen Interessen hier gut verfolgen kann. Ich habe es auch immer toll gefunden, dass ich, wenn mir das mit dem Lernen zu viel war, sagen konnte: Ich geh jetzt einfach mal raus und spiel mit meinen Freunden.

A: Ich hatte gar keine richtigen Erwartungen. Ich bin mit Freunden auf diese Schule gekommen und das war dann einfach hier so und ich habe mitgemacht. Und was Jonna gesagt hat mit den Kursen und dem Spielen, das fand ich auch immer toll …

K: Ich hatte eigentlich gar keine Erwartungen an die Schule, nur, dass es anders ist als die Schule davor.

Adele, und wie war die Umstellung, als du zwischendurch auf eine staatliche Schule gegangen bist?

A: Es ging eigentlich. Es war halt dann ein bisschen anstrengender, aber es war nicht so, dass ich irgendwie große Lücken hatte im Lernsystem. Ich musste mich nur dran gewöhnen, dass es da so eine Unterrichtsstunde nach der anderen gab mit kurzen Pausen. Aber es ging eigentlich relativ gut.

Und als du wieder zurückgekehrt bist, hast du irgendetwas vermisst, was du an der staatlichen Schule ganz gut fandest?

A: Ja, vielleicht, dass man in einer Klasse ist und eine Klassengemeinschaft hat. Die Schule hier ist ja nicht so mit Klassen. Ja, aber sonst eigentlich nicht wirklich.

Sind eure Erwartungen und Wünsche manchmal enttäuscht worden? Seid ihr auf Schwierigkeiten gestoßen, die ihr nicht erwartet habt?

A: Eigentlich nicht! Ich weiß noch, früher, wenn ich gefragt wurde, was mich an der Schule stört, da meinte ich, dass wir immer so früh aufstehen müssen. Aber sonst war da eigentlich nichts. Mir ist auch damals immer nichts eingefallen, was man dazu sagen könnte. Also, das Aufräumsystem vielleicht noch, aber da wird auch gerade dran gearbeitet.

Adele, Jonna & Klara

J: Das, was mich am meisten gestört hat, war eigentlich auch der lange Schulweg und das frühe Aufstehen, aber an der Schule insgesamt stört mich eigentlich nicht wirklich was.

Wie funktioniert das Lernen für euch an der Demokratischen Schule? Lernt ihr, was ihr lernen wollt?

A: In der 6., 7. Klasse kann man zu einem Basis-Kurs gehen, da werden Basis-Sachen erklärt, die man später braucht, wenn man sich auf den Schulabschluss vorbereitet. Momentan bin ich regelmäßig bei den Basis-Kursen, weil nächstes Jahr, also ab der 8. Klasse gehe ich dann zur Abschlussvorbereitung, wo richtig viel gelernt wird.

Ist das freiwillig? Ihr könnt dahingehen, aber ihr müsst nicht hingehen?

A: Ja, genau. Aber die meisten Schüler wissen dann schon, dass es sinnvoll ist, jetzt spätestens anzufangen – als Prüfungsvorbereitung für den Abschluss.

Und bevor das anfing mit der Prüfungsvorbereitung, wie habt ihr da gelernt?

A: In der 1. bis 3. Klasse habe ich immer mit meiner Freundin Hefte gemacht. Also Lesen, Schreiben, Schreibschrift, Rechnen haben wir da gemacht. Teilweise haben uns die Erwachsenen geholfen oder wir waren auch in Kursen, aber wir haben dann auch allein in den Heften weitergearbeitet.

Und wie läuft das mit den Kursen? Werden die gemeinsam festgelegt?

A: Man kann sich am Anfang des Schuljahres Kurse wünschen. Und je mehr Leute sich da eintragen, umso wahrscheinlicher ist es, dass der Kurs dann angeboten wird.

J: Und wir Kinder können auch selber Kurse anbieten und gegenseitig voneinander lernen.

K: Wir haben auch zweimal im Jahr eine Projektwoche. Und dort kannst du dann auch abstimmen, was für Projekte es geben wird.

Wenn ihr am Anfang des Jahres festlegt, welche Kurse es geben soll, wie lange dauern die dann?

A: Das ganze Schuljahr! Es gibt auch Kurse, die nur Ein-Stunden-Kurse sind oder Ein-Tages-Kurse, aber eigentlich das ganze Schuljahr. Nur wenn eine Zeit lang niemand mehr zu dem Kurs kommt, dann wird er weggepackt.

Habt ihr irgendetwas nicht gelernt, was ihr euch gewünscht habt und von dem ihr denkt, das sei eigentlich wichtig? Was für Probleme ergeben sich daraus für euch?

J: Das ist bei mir das Einmaleins! Ich arbeite gerade dran, das zu lernen, denn ich glaub, das ist echt wichtig, dass man das kann. Ich habe ein Heft speziell dafür und dann habe ich auch noch Lernpartner. Das mache ich einfach für mich.

A: Das kleine Einmaleins – also ich kann es ausrechnen, aber ich kann´s noch nicht so flüssig. Ich war insgesamt zwei Jahre auf dem Gymnasium und hab da eigentlich keine großen Lücken gehabt. Deshalb gehe ich davon aus, dass ich sonst nichts Großes verpasst habe.

K: In Mathe hänge ich auch ein bisschen hinterher, weil ich da keine Motivation habe. Ich kann plus und minus, aber kein Einmaleins und sowas. Und das ist schon ein Problem. Nächstes Jahr komme ich in die Kurse zur Prüfungsvorbereitung, ich will ja auch meinen Abschluss machen und eigentlich ist es schon ein Problem. Ich bin auch grad dabei, das zu lernen – ohne Erwachsene, ich mach das alleine.

Wie läuft euer Alltag in der Schule? Könnt ihr das kurz beschreiben?

J: Meistens komme ich morgens mit dem Bus an. Dann ist oft noch ein bisschen Zeit und ich esse noch was und dann beginnen die Morgenkreise: Das wird bei uns durchgesagt, in welchen Räumen man sich treffen kann und wo man dann von einem Erwachsenen vorgelesen bekommt, was an dem Tag passiert. Dann weiß man Bescheid, was los ist und wer da ist. Ich lese mir das meistens einfach durch – es hängen auch Zettel aus, da kann man sich das Gleiche wie in den Morgenkreisen durchlesen.

Danach gehe ich dann manchmal zu einem Kurs oder ich gehe auch ganz gern in unser Atelier hier in der Schule. Das kommt eigentlich immer bisschen auf den Wochentag an, was ich an dem Tag alles mache. Um 12:30 Uhr gibt’s Mittagessen. Wir haben eine Essensausgabe, aber ich nehme mir mein Essen selber mit zur Schule, das esse ich dann meistens trotzdem um die Uhrzeit. Danach ist das Lösungskomitee. Da bin ich aber meistens nicht. Und dann ist die Aufräumzeit, da haben alle ihre festen Aufgaben. Ich habe jetzt zum Beispiel Müllsammeln im Garten. Wenn ich fertig bin, kann ich mich bei dem zuständigen Kind für meinen Raum abmelden und danach gehe ich zum Bus.

A: Ich mach´s eigentlich ähnlich wie Jonna, nur, dass ich zu diesem Basis-Kurs hingehe. Ich bin zum Aufräumen im Medienraum, manchmal lese ich dann noch was. Manchmal komme ich auch mit zu Jonna ins Atelier.

K: Ich werde morgens hergefahren, weil ich so weit weg wohne, dass es mit dem Bus sich nicht lohnt. Und dann gehe ich ins Atelier, wenn Jonna und Adele da sind. Danach essen wir oftmals was und reden, oder? Dann gibt es Mittagessen und Aufräumen und schwupp! Vorbei.

Habt ihr Freunde und Freundinnen außerhalb der Schule, die ihr von woanders her kennt? Wie reagieren die, wenn ihr ihnen von eurer Schule erzählt? Oder eure Verwandten?

A: Oma macht sich glaub ich ein bisschen Sorgen, dass ich meinen Abschluss nicht schaffe und dass ich zu wenig lerne. Aber Mama und Papa sind da ganz entspannt und fühlen sich auch sicher. Und die meisten meiner Freunde akzeptieren das auch. Manche finden es interessant und cool, aber so viel reden wir auch nicht darüber.

J: Mit den Verwandten reden wir eigentlich nicht wirklich über die Schule. Und Freunde habe ich außerhalb der Schule gar nicht so viele. Manche von denen finden es cool, dass ich nichts lernen muss. Manche denken auch: Hmm, dann lernst du ja gar nix. Die meisten finden es einfach ok und reden dann nicht weiter drüber.

K: Ich habe eine Freundin, die auch manchmal sagt, dass sie gerne hierher würde, aber manchmal auch nicht. Und meine Verwandtschaft? Also mein Opa meint immer, dass das ´ne Scheißschule ist und er nicht verstehen kann, warum mich meine Eltern hier hinschicken.

Kommt es vor, dass ihr euch selbst mit anderen vergleicht, die auf eine andere Schule gehen?

K: Also mir passiert das nicht. Ich habe mich nie wirklich mit anderen verglichen.

A: Nee, eigentlich nicht. Mir erzählen die anderen manchmal, was die zum Beispiel in Mathe machen, aber meistens machen wir dann auch grad was. Die machen die Themen meistens gründlicher als wir. Ich glaube, im Grunde genommen kann man das jetzt gar nicht sagen, vielleicht in ein paar Jahren, wenn wir erwachsen sind, dann gucken wir.

J: Wenn ich mir Übungshefte hole, vergleiche ich manchmal, für welche Klasse die gedacht sind. Aber dann achte ich meistens nicht darauf, in welcher Klasse ich bin, sondern auf welchem Niveau ich bin mit den Übungsheften. Da muss ich gucken, was ich davon schon kann, was ich vielleicht grad gut lernen kann oder was noch zu schwierig ist.

Welche Mitbestimmungsmöglichkeiten gibt es für euch an der Demokratischen Schule? Und wie nutzt ihr sie?

A: Es gibt die SV, also die Schulversammlung. Man kann einen SV-Antrag stellen, wenn man z. B. will, dass es neue Stühle gibt; das kann man auch in die Finanz-SV einbringen. Dann wird abgestimmt, ob das gemacht werden soll mit den Leuten, die dahingehen, und dann wird das gemacht.

J: Die SV ist freiwillig und einmal im Monat ist die Finanz-SV, da werden alle Themen besprochen, wo es um Geld geht, zum Beispiel für neue Stühle. Ansonsten werden in den anderen Schulversammlungen Regeln beschlossen.

Grenzenlos lernen! an der Demokratischen Schule Infinita in Steinhorst.

A: Alle haben das gleiche Recht. Wenn eine erwachsene Person etwas sagt, dann ist es nicht mehr wert. Und letztens wurde auch abgestimmt, dass in der SV gar kein Lernbegleiter mehr sein muss, sondern die auch nur von Schülern betrieben sein kann, die dann im SV-Team sind. Nur bei sicherheitsrelevanten Themen muss ein Erwachsener dabei sein.

Aber die Lernbegleiter müssen sich trotzdem an die Regeln halten, die ihr beschließt?

J: Genau, die müssen sich an die Regeln halten.

A: Es gibt ein paar Extraregeln, wie zum Beispiel, dass sich Lernbegleiter beim Essen in der Schlange vordrängeln dürfen. Aber so grundsätzlich müssen die sich auch an die Regeln halten.

Und wer darf da alles mitentscheiden? Dürfen z. B. Eltern auch mitentscheiden in der SV?

A: Nee, die Eltern sind ja nicht in der Schule, deshalb sind sie auch nicht in der SV. Aber beim Elternabend können die sagen, was sie stört und was sie vielleicht verbessern wollen, und dann kann geguckt werden, was da geht …

K: … und das wird dann in die SV gebracht. Es gibt auch manche Dinge, die werden nur im Team beschlossen, z. B. Sicherheitsregeln oder sowas. Da dürfen Kinder nicht mitentscheiden.

Es gibt Demokratische Schulen, da dürfen die Eltern in der SV mitbestimmen. Wie fändet ihr das?

K: Ich fände das nicht so gut, weil Eltern nicht immer den gleichen Eindruck von der Schule haben wie wir. Und dass dann da Dinge entschieden werden können, die nicht so praktisch für die Schule sind … Also die mitbestimmen zu lassen, die dich nur abholen und hinbringen, das ist nicht so schlau.

Gibt es denn bei den Eltern manchmal den Wunsch, mitzubestimmen?

A: Ich glaub nicht. Wir zum Beispiel wohnen ziemlich weit weg. Da haben die dann glaub ich auch nicht Lust, extra den weiten Weg zur Schule zu fahren. Und wenn Mama irgendwas hat, kann sie es mir sagen. Und dann kann ich sagen, ob es mich auch stört oder nicht und kann gucken, ob ich mich da vielleicht kümmern will.

Ihr habt gesagt, das Team entscheidet manchmal Sachen ohne die Schüler:innen. Wie findet ihr das?

K: Ich find das gut. Zum Beispiel haben wir einen Medienführerschein in der Schule und da wurden ein paar Sicherheitsregeln im Team beschlossen, weil das sehr wichtig ist, dass da aufgepasst wird. Da konnten dann die Schüler nicht ganz so mitbestimmen. Oder auch Feuerregeln. So was wird meistens nur im Team beschlossen.

A: Ich finde das auch gut, wenn Sachen, die für die Sicherheit wichtig sind, im Team beschlossen werden.

J: Die Leute aus dem Team dürfen nicht alles selber bestimmen. Die dürfen nicht eine bestimmte Regel einführen, die nichts mit Sicherheit zu tun hat. Die können sie auch in die SV bringen und das wird dann mit den Schülern und Schülerinnen besprochen.

Wie seht ihr das Verhältnis der Schüler:innen untereinander?

J: Es gibt natürlich viele auf der Schule, die sich gegenseitig nicht mögen. Wir sind jetzt fast 100 Kinder und meist sind das dann so kleine Grüppchen.

A: Ich glaub auch, dass jeder Leute hat, die er überhaupt nicht leiden kann, und dass Leute sich manchmal nerven. Aber so richtig Mobbing gibt es nicht, weil wir ein ziemlich gutes System haben, dass das nicht passiert.

J: Bei Streit wendet man sich an einen Lehrer oder eine Lehrerin. Es gibt auch einige Schüler und Schülerinnen, die ausgebildet sind als Streitschlichter. Die kann man sich dann holen. Die eine Person sagt dann: Ich hätte gern einen Streitschlichter! Und dann darf die andere Person Leute vorschlagen, die das lösen sollen. Und dann darf die Person, die das wollte, sagen, ob der Streitschlichter ok ist. Ansonsten kann ich einen Zettel schreiben, dass ich ein Lösungskomitee mit Adele machen will aus dem und dem Grund. Den kann ich in den Briefkasten des Lösungskomitees schmeißen. Und am Ende des Tages werden dann alle Zettel rausgeholt und die Leute werden in einen Raum gerufen und dort wird der Fall geklärt – was passiert ist und was man vielleicht besser machen kann.

Gibt es auch Strafen oder Wiedergutmachungen?

K: Das wird dann im Lösungskomitee überlegt, was man machen könnte. Wir fangen meistens mit einer Verwarnung an. Die gibt´s aber nur ganz selten. Zum Beispiel, wenn Sicherheitsregeln verletzt werden.

A: Es wurden zum Beispiel Böller gezündet vor ein paar Monaten, da gab es eine Verwarnung.

K: Es gibt noch manche anderen Dinge, zum Beispiel Medienführerschein – wenn du da irgendwas machst, was du nicht darfst, dann kriegst du auch was.

A: Oder wenn du mit Absicht irgendwelche Geräte zerstörst. Da muss man dann was machen. Oder wenn man hier oben im Obergeschoss zu laut ist oder Schuhe anzieht, kriegt man vielleicht eine Verwarnung …

K: … oder darf für eine Woche oder zwei Tage nicht mehr nach oben außer für Kurse.

Wie ist das Verhältnis der Schüler:innen zu den Mitarbeiter:innen?

K: Ziemlich gut! Also es gibt ja ein paar Kinder, die sind echt respektlos, aber …

A: Jedes Kind hat seinen Mentor oder seine Mentorin. Die kann man sich per Wahl am Anfang des Jahres aussuchen und wenn man Glück hat, bekommt man die. Dann trifft man sich einmal die Woche mit denen und bespricht, was einen so interessiert und was man noch lernen will, was man für Probleme hat, was einen an der Schule stört, so Sachen. Auch über private Sachen kann man reden. Man kann sich auch wünschen, jetzt spielen wir Fußball oder Tischtennis oder sowas.

Adele, Jonna und Klara haben in der Infinita gelernt, Entscheidungen zu treffen.

Man kann auch, wenn man zwischendurch irgendwas hat, zu der Person hingehen, wenn die grade Zeit hat, und reden.

Und ihr beiden, die ihr schon Erfahrung mit der staatlichen Schule gemacht habt, wie seht ihr da den Unterschied?

A: Ganz groß! Es gab Lehrer, die mochte man lieber als andere, aber private Gespräche hatte man eigentlich nie gehabt. Man hat die nur im Unterricht gesehen.

K: Und bei mir – die waren alle echt scheiße, meine Lehrer, und man hatte das Gefühl, dass die sich teilweise einfach als was Besseres gesehen haben als die Kinder.

Wählt ihr die Mitarbeiter:innen eigentlich oder wie kommen die in das Team?

A: Im Bewerbungskomitee wird über die Leute abgestimmt, die sich bewerben und die mal kommen dürfen. Und wenn die Lust haben und es hier gut finden und hier arbeiten wollen, dann können sie hospitieren. Nach der Hospitationswoche gibt es dann nochmal eine Umfrage an der kompletten Schule, wer was dagegen hat. Und schließlich entscheiden Lernbegleiter:innen und Schüler:innen über die Person.

Und wenn die Mitarbeiter:innen einmal da sind, wird dann jedes Jahr nochmal über sie abgestimmt?

K: Nein! Also außer, es gibt Beschwerden. Dann gibt es Treffen, wo du sagen kannst, was für und gegen den Lernbegleiter spricht. Und dann wird abgestimmt, ob der Lehrer bleiben soll oder nicht.

Was ist für euch das Beste an eurer Demokratischen Schule?

J: Einfach, dass ich meinen eigenen Zeitplan habe, also dass ich entscheiden kann, wann ich was machen will. An manchen Tagen geht´s mir auch ganz schlecht, da bin ich müde, da will ich gar nicht zu Kursen gehen und nur so aufm Sofa sitzen und mich unterhalten. Das ist ganz wichtig für mich, dass, immer wenn ich will, ich verrückte Sachen machen kann.

K: Ich mag an der Schule, dass ich das machen kann, was ich möchte, und rein theoretisch, dass ich auch malen oder nähen kann und nicht die ganze Zeit nur Mathe oder Deutsch machen muss.

A: Dass wir das machen können, worin wir gut sind und was wir auch machen wollen oder wo wir uns noch weiter ausbauen wollen. Also wenn ich jetzt gut malen kann, hätte ich auf einer normalen staatlichen Schule einmal in der Woche Kunst, wo mir gesagt werden würde, was ich jetzt malen soll. Und hier kann ich das besser ausbauen.

Was ist für euch das Blödeste an eurer Demokratischen Schule?

K: Dass ich um 5:30 Uhr aufstehen muss, damit ich rechtzeitig da bin.

A: Mir fällt nichts ein, außer das Aufräumsystem. Es gibt einfach doofe Kinder, die nicht aufräumen, und für die muss man Konsequenzen finden.

J: Mich stört manchmal die Lautstärke, weil hier viele Kinder laut sind, aber das kriege ich meistens gelöst. Im Obergeschoss haben wir einen Leisebereich, da darf man nur in normaler Lautstärke reden.

Was würdet ihr anderen Kindern und Jugendlichen raten, wenn sie überlegen, auf eine Demokratische Schule zu gehen?

K: Man kann´s ja mal ausprobieren!

A: Ich glaub, wenn sie auf der anderen Schule gut klarkommen, dann kommen sie auch auf der Schule hier klar.

K: Um auf so eine Schule zu wechseln, musst du damit klarkommen, dass dir nicht ständig einer sagt, was du machen sollst. Und das ist bei manchen das Problem, weshalb wir teilweise keine Quereinsteiger mehr nehmen, weil die einfach nicht so gut damit klarkommen, dass du hier alles für dich selbst entscheiden kannst. Du musst zu dir selbst sagen können: Das mache ich jetzt!

A: Aber das ist es auch, was man in dieser Schule lernt: Selbstständig zu sein und zu gucken, was mach ich jetzt, was ist jetzt sinnvoll. Das lernst du in der anderen Schule teilweise nicht und dann stehst du später da: Äh, so: Und was soll ich jetzt machen?

Was würdet ihr Eltern sagen, die sich Sorgen machen, dass ihre Kinder möglicherweise nicht genug lernen?

J: Ich glaub, das hängt mit Selbstständigkeit zusammen, ob die Kinder lernen.

A: Also ich denke, wenn die Kinder alt genug sind, dann sind die meisten schon so weit, dass sie wissen, dass sie jetzt was lernen müssen oder es sonst zu spät ist. Da muss man halt immer auf das Kind gucken. Es gibt natürlich Kinder, die das voll ausnutzen und gar nicht verstehen, dass sie irgendwas lernen müssen und dann einfach gar nix lernen. Und da, was könnte man den Eltern da jetzt sagen?

Die Rückseite der Infinita: viel Platz für Aktivitäten draußen.

K: Ich würde den Eltern sagen, dass sie, wenn sie da Sorgen haben, vielleicht nochmal mit ihrem Kind drüber sprechen, dass es unbedingt mal drüber nachdenken sollte, an dieser Schule zu lernen, weil das fürs spätere Leben wichtig ist. Dass die Kinder das auch wissen.

A: Und vielleicht, dass sich die Eltern da gar nicht so viele Gedanken darüber machen sollen und ihr Kind nicht ständig vergleichen sollen mit anderen Kindern von staatlichen Schulen, und dass es halt in seinem Tempo lernt.

J: Also ich habe hier tatsächlich gelernt, selbstständig zu sein, auch nach der Schule. Ich koche gerne und mache mir selber was zu essen und bin dann auch in meiner Freizeit selbstständig.

A: Die Eltern sollten vielleicht nicht so drauf gucken, dass die Kinder lernen, wie man ein Dreieck ausmisst oder sowas, sondern darauf, dass die lernen, selbstständig zu sein, sich selbst Sachen beizubringen, Streit zu schlichten und so mit dem Leben umzugehen.

K: Und ich würde den Eltern direkt ins Gesicht sagen: Vielleicht kann dein Kind am Ende des Tages nicht den Satz des Pythagoras aufsagen, aber dafür kann es sehr gute Entscheidungen selbst treffen, weil es das die ganze Zeit hier gelernt hat.

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