»Wir haben alle einander zugehört und Ideen entwickelt, die Schule zu verändern.«

Muriel Uhlig, zum Zeitpunkt des Interviews 20 Jahre, ist Absolventin der Netzwerk-Schule, einer Demokratischen Schule in Berlin, die sie sieben Jahre besucht hat. Nach dem Abitur an einer weiterführenden Schule arbeitete sie für elf Monate in der Netzwerk-Schule als Mitarbeiterin auf der sogenannten Schüler:innenstelle, der Stelle für Absolvent:innen von Demokratischen Schulen. Wie hat sie die Zeit nach der Netzwerk-Schule erlebt und wie reflektiert sie nachträglich ihren Besuch einer Demokratischen Schule?

Ein Interview mit Muriel Uhlig

Unsere Leserinnen und Leser interessieren sich besonders für die Frage, wie es nach einer Demokratischen Schule weitergeht. Du hast nach dem Abschluss der 10. Klasse an der Netzwerk-Schule auf eine weiterführende Regelschule gewechselt und dein Abitur gemacht. Wie ist dir der Übergang in die neue Schule gelungen?

Ich habe innerhalb von drei Jahren Abitur gemacht. Das heißt, im ersten Jahr waren die Noten nicht ganz so wichtig, weil sie noch nicht fürs Abi zählen. Das war sehr gut für mich, weil ich manche Fächer noch gar nicht hatte. Das fand ich ein bisschen schwierig, ich brauchte etwas Zeit, in diese ganzen fachlichen Sachen reinzukommen, aber dann ging es.

Was ich am gewöhnungsbedürftigsten fand, war der Umgang mit den Lehrern! Da kommt man von einer Schule, in der man sich superwohl mit allen fühlt und zu jedem irgendwie einen Draht hat oder die Person zumindest irgendwie kennt. Und in der neuen Schule war es dann voll das Gegenteil. Wenn du irgendetwas nicht verstehst, überlegst du erst, ob du nachfragen willst oder nicht. Weil du merkst, dass das auch allen anderen unangenehm ist, eine Frage zu stellen. Das war das Grundklima … Die anderen kamen von normalen Schulen und du merkst: Ok, die sind es gewohnt. Der Lehrer weiß alles und wenn du eine Frage stellst, dann entblößt du dich, dass du nicht verstanden hast, was der gerade gesagt hat. Das finde ich bis jetzt immer noch merkwürdig, aber man gewöhnt sich halt dran.

Und was machst du im Moment?

Im Moment arbeite ich an der Netzwerk-Schule. Nebenbei babysitte ich und gebe Reitstunden.

Warum hast du dich entschieden, nach deinem Abitur an deiner ehemaligen Schule für ein Jahr zu arbeiten?

Einerseits, weil ich Lust hatte, die ganzen Leute wiederzusehen. Und außerdem auch, weil ich das Prinzip von Demokratischen Schulen einfach richtig gut finde und es gern nochmal aus der Mitarbeiter:innenperspektive sehen wollte.

Und warst du überrascht, wie es sich aus der Mitarbeiter:innenperspektive anfühlt?

Eigentlich fand ich es nicht super überraschend. Die Mitarbeiter:innen in der Schule haben das schon immer sehr transparent gemacht. Aber ich habe das Gefühl, dass durch Corona vieles sozusagen automatisch in die Mitarbeiterhand gelangt ist – auch viele Entscheidungen, die jetzt gar nichts mehr mit Corona zu tun haben, aber trotzdem erst mal im Team besprochen werden, statt in der Schulversammlung. Das finde ich schon ein bisschen komisch. Aber das probiere ich dann immer anzusprechen. Und ich habe das Gefühl, dass das gar nicht so gewollt ist, sondern eher als eine Gewohnheit aus Coronazeiten entstanden ist, als es nicht so viele Schulversammlungen gab. Das bestätigen auch andere aus dem Team. Eigentlich soll es ja andersrum sein: Grundsätzlich geht es zuerst in die Schulversammlung, außer wenn etwas dagegenspricht, weil es zum Beispiel ein ganz persönliches Problem ist.

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