Alltag an einer Demokratischen Schule

Gerade für Lehrer:innen ist es schwer vorstellbar, wie ihre Arbeit an einer Demokratischen Schule aussehen könnte, ist doch vieles ganz anders, als sie es gelernt haben. Der Autor berichtet von seinen Erfahrungen als Lernbegleiter an einer Demokratischen Schule.

Max Gassner

Kinder sind voll von Interessen und Bedürfnissen. Sie spielen, forschen, eignen sich die Welt an und fallen auf die Nase. Sie lernen, weil sie nicht anders können – denn Leben heißt Lernen!

Aus diesem Grundsatz heraus bin ich Lehrer geworden: Weil ich Kinder bei ihrem Lernen begleiten will. Meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass die Regelschulen das etwas anders sehen. Neben Fördern und Motivieren spielen leider Selektion und Vergleich eine große Rolle. Demokratische Schulen versprechen, das anders zu machen. Aber wie erfolgreich sind sie dabei? Ist deren Pädagogik für jedes Kind gut? Kann ein Kind wirklich selbst entscheiden, was es lernt und was wichtig für sein Leben ist?

Ich selbst wollte das wissen. Nach meinem Referendariat an einer Realschule in Baden-Württemberg bewarb ich mich auf eine Stelle an der Netzwerk-Schule, einer Demokratischen Schule in Berlin. Im Folgenden berichte ich über den Alltag dort.

Der Tag an einer Demokratischen Schule beginnt etwas anders. Mitten im Trubel der Hauptstadt finden knapp 100 Kinder und Jugendliche ihren Weg in ihre Schule. Für den Tag haben sie ganz unterschiedliche Vorhaben:

Ein Kickerturnier vorbereiten, den neuen Roboter programmieren, im Garten sein und Verstecken spielen, ein neues Computerspiel zocken, den fünften Manga-Band von Hunter x Hunter lesen, eine Geo-Lernverabredung besuchen, weil man hier erfährt, wie das Wetter entsteht, die erste Probeprüfung für den Deutsch-MSA (Mittlerer Schulabschluss) schreiben, an der Seifenkiste weiterbauen, die Sprache der Elben lernen oder auch einfach nur mit der besten Freundin Eis bei Aldi einkaufen gehen.

An einer Demokratischen Schule entscheiden Kinder selbst über ihren Alltag. Ihnen werden Rechte zugestanden, die für eine Regelschule unvorstellbar wären. Hier bestimmen sie, wie sie ihr Lernen gestalten.

Meinen Unterricht beginne ich daher oft, indem ich die Kinder frage, was sie heute lernen möchten. Das lehrt sie, dass sie selbst in der Hand haben, wo es hingehen soll. Oft ist das toll und manchmal schwer auszuhalten:

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